Zeitungs-Umfrage: NRW braucht wieder Kulturminister

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:

Düsseldorf. Nordrhein-Westfalen braucht nach der Einschätzung eines halben Dutzends prominenter Kulturexperten künftig wieder einen Kulturminister. Die Kultur im bevölkerungsreichsten Bundesland in die Staatskanzlei „auszugliedern” sei ein Experiment gewesen, sagte der frühere NRW-Kultur- und Bauminister Michael Vesper in der NRW-Ausgabe der „Welt am Sonntag”.

Trotz der begrüßenswerten Aufstockung des Landes-Kulturetats habe diese Entscheidung der Kultur im Land nicht genützt, kritisiere der Ex-Grünen-Politiker. Dass der Ministerpräsident auch gleichzeitig Kulturminister gewesen sei, habe man „als interessierter Beobachter kaum bemerkt”, monierte der heutige Direktor des Deutschen Olympischen Sportbundes, der bis 2005 selbst Kulturminister war. Das Kulturfestival Ruhrtriennale etwa sei nicht machbar gewesen, wenn nicht Städtebaumittel innerhalb seines früheren Ministeriums zur Verfügung gestanden hätten,

Der Direktor des Bonner Kunstmuseums, Stefan Berg, meint, die vielfältigen finanziellen und strukturellen Probleme der Kulturlandschaft könnten nur mit einem politischen „Schwergewicht” gelöst werden. Wenn sich das Bundesland mit der höchsten Kulturdichte „keinen Kulturminister zutraut, wer dann?”, fragt der Museumsmann.

Mehr politisches Gewicht für die Kultur versprechen sich auch der Essener Schauspielintendant Anselm Weber und der Vorsitzende des NRW- Kulturrates, Gerhart Baum. Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse- Brockhoff sei zwar „ein kompetenter Anwalt” kultureller Belange, habe jedoch Kraft Amtes keine „koordinierenden” Möglichkeiten gehabt. Einem künftigen NRW-Kulturminister müsse auch das Medienressort zugeteilt werden, meint Baum.

Nicht nur die vielfältigen Probleme der Kultureinrichtungen und der Sparzwang der Kommunen, sondern auch die Verdoppelung des Kulturetats durch die schwarz-gelbe Landesregierung sprechen für die Wiedereinrichtung des entsprechenden Ministeriums, meint Ilona Schmiel, Intendantin des Bonner Beethovenfestes, in der NRW-„Wams”. Für den Geschäftsführer des Kölner Literaturfestes LitCologne, Rainer Osnowski, müssen zum Nutzen des Kultur-Lebens ministerielle Zuständigkeitsbereiche vernetzt werden - bis hin zur Mittelstandsförderung des Wirtschaftsministeriums.

Die Homepage wurde aktualisiert