Aachen - Zeitgenössische Kunst war seine Leidenschaft: Trauer um Hugo Jung

Zeitgenössische Kunst war seine Leidenschaft: Trauer um Hugo Jung

Von: Eckhard Hoog
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Aachen. Das älteste und weltweit größte Kunstmagazin Artnews zählte sie in drei aufeinanderfolgenden Jahren – 2009, 2010 und 2011 – zu den „The Top 200 Collectors“, zu den 200 wichtigsten Kunstsammlern der Welt: Ingrid und Hugo Jung. Jetzt ist der langjährige Direktor der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am RWTH-Klinikum Aachen und leidenschaftliche Kunstsammler im Alter von 88 Jahren gestorben – fünf Jahre nach seiner Frau.

„Professor Jung (...) hat das Kunstleben in Aachen als engagierter und streitbarer Förderer maßgeblich geprägt“ – so würdigte Ernst Höhler, Erster Vorsitzender des Vereins der Freunde des Ludwig Forums für Internationale Kunst e. V., den Verstorbenen.

Es waren aufregende Zeiten in Aachen Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger, als sich ausgerechnet in einer stockkonservativen Stadt auf dem Boden avantgardistischer Kunstäußerungen und alternativer Lebensentwürfe kulturelle Institutionen etablierten, die diese Strömungen nicht nur abbildeten, sondern auch noch vorantrieben. Die Neue Galerie – Sammlung Ludwig gehörte ab 1970 absolut dazu. Das Ludwig Forum ist seit 25 Jahren der logische Abkömmling.

Abwehr der Konservativen

Es waren Anfeindungen von konservativer Seite, die Hugo Jung und fünf weitere RWTH-Professoren dazu bewegten, am 9. Februar 1971 zur Abwehr eine Bürgerinitiative zu gründen: den Verein der Freunde der Neuen Galerie. Mit dem Umzug der Sammlung Ludwig 1991 in die ehemalige Schirmfabrik wurde daraus der Verein der Freunde des Ludwig Forums. Von 1974 bis 1977 leitete Jung den Verein als Erster Vorsitzender „und hat mit seinem Enthusiasmus wichtige Akzente gesetzt“ (Höhler). Seine Frau Ingrid, gleichfalls Medizinerin, übernahm das Vereinsruder von 1989 bis 2002. Dank ihres persönlichen Engagements gelangte der von den „Freunden“ initiierte Kunstpreis Aachen zu internationalem Renommee.

„Tendenzen der modernen Kunst“: Unter diesem bescheiden klingenden Titel – ein pures Understatement – betraten die Jungs erstmals im Februar 1981 als Kunstsammler die Bühne mit einer Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum. Die Schau kam einem Paukenschlag gleich – da trat doch ein Aachener Ehepaar mit einer systematisch aufgebauten Kollektion zeitgenössischer Kunst hohen Rangs an die Öffentlichkeit, die Peter Ludwigs von der Qualität her absolut das Wasser reichen konnte. Georg Baselitz, A. R. Penck, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, Arnulf Rainer, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Joseph Beuys, Jannis Kounellis, Bruce Nauman, Robert Rauschenberg und wie sie alle heißen – die Jungs sammelten alles, was Rang und Namen hatte.

Weitere Ausstellungen folgten in den 80er und 90er Jahren in beiden Aachener Museen: „Junge expressive Kunst in Italien und Deutschland“ , „Zeichen, Symbole, Graffiti in der aktuellen Kunst“ oder „Das Numinose in der Kunst“ mit Hugo Jung als Gastkurator. Zeitweise waren Werke der Sammlung Jung sogar als Dauerleihgaben in beiden Häusern beheimatet – indessen: Es gelang nicht, die Kollektion in Aachen zu halten, obgleich beide Seiten, Stadt und Sammler, Interesse daran hatten.

Die Bemühungen sind im Wesentlichen aus zwei Gründen gescheitert: Das Suermondt-Ludwig-Museum bekam einerseits ein anderes, wie man fand, „klareres“ Profil mit der Ausrichtung auf ältere Kunst als Gegenpol zum Ludwig Forum. Andererseits bestand Jung immer darauf, das „Individuelle der Sammlung“ als Ganzes erkennbar zu erhalten – was nicht unbedingt mit dem Konzept eines Ausstellungshauses unter einen Hut zu bringen ist. Die Sammlung befindet sich heute in Hamburg, in der Galerie der Gegenwart, einer Abteilung der Kunsthalle.

Hugo Jung wurde in der Pfalz geboren, 1967 zog er nach seinem Studium in Mainz und Freiburg nach Aachen, wo er im gleichen Jahr die Frauenklinik gründete. 1969 wurde er für zehn Jahre Baubeauftragter für das Klinikum. 1994 ging er in Ruhestand, betrieb aber weiter eine Praxis für Gynäkologie.

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