Würselener Bildhauer: Voller Fantasie und mit Sinn für Schrott

Von: Eckhard Hoog
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Sonntag vor 40 Jahren wurde er mit viel Trara und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht: Albert Sous’ Kugelbrunnen in der Aachener Adalbertstraße. Sous hat seine Autobiografie mit Blick auf dieses Datum verfasst. Archivfoto: Hein Call
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Er hat seine Memoiren verfasst, die bis Weihnachten als Buch auf den Markt kommen sollen: der Würselener Bildhauer Albert Sous. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Er ist Edelmetaller, Bildhauer und Goldschmied; er schuf eine fabelhafte Welt der Fantasie aus nichts als Schrott: Albert Sous. Und er hat reichlich Spuren hinterlassen, auch in unserer Region – Kunstwerke, Brunnen und Denkmäler, die sich an Schwergewicht allesamt gegenseitig übertreffen.

An allererster Stelle der Kugelbrunnen in der Aachener Adalbertstraße, der sich seit 1977 weit über eine Million Mal entfaltet und wieder geschlossen hat. Am Sonntag vor 40 Jahren wurde das gute Stück feierlich eingeweiht.

Für den Würselener Künstler bedeutete das Jubiläumsdatum einen besonderen Ansporn: Seit seinem 82. Geburtstag am 24. April dieses Jahres hat er Schneidbrenner und Lötkolben zur Seite gelegt und nur noch einen Schreibstift als Werkzeug benutzt. Albert Sous verfasst seine Autobiografie und beschreibt das so ereignisreiche wie engagierte Leben eines Künstlers, der aus persönlichen Erfahrungen und Begegnungen für seine Kunst ein Anliegen entwickelt hat aus der Einsicht, in einer ressourcenverschwendenden Zivilisation zu leben.

„Familie, Feste, Freunde“, so leicht und luftig allerdings würde er das Werk am liebsten überschreiben, schließlich ist es sehr persönlich gehalten. Das Jubiläum des Kugelbrunnens war anvisiert als Erscheinungstermin. 310 Seiten sind zustande gekommen – sie sollen noch vor Weihnachten, spätestens aber im Frühjahr als Buch auf den Markt kommen. Zum Jubiläum indessen ist jetzt ein 58-seitiger Auszug fertiggestellt, der bereits mit Spannung das „große“ Werk erwarten lässt.

„Du musst eine Biografie schreiben“, sagte ihm bereits vor langer Zeit sein Freund Martin Birmanns, ehemaliger Direktor des Aachener Amtsgerichts. „Mach das für Deine Familie!“ Und tatsächlich hat sich der Mann hingesetzt und mit ersten Kindheitserlebnissen als Vierjähriger begonnen. Und das war zunächst für ihn körperlich anstrengender als mit einem Schneidbrenner zu arbeiten. „Nachdem ich drei Stunden gesessen hatte, tat mir derart der Rücken weh, dass ich zum Orthopäden gehen musste . . .“

Ein versierter Lektor stand Sous zur Seite: Christoph Leuchter, Leiter des Schreibzentrums an der RWTH Aachen. „Der Text ist okay“, hat er versichert. „Es wird nichts geändert.“ Allein: Die Kommasetzung zum Beispiel gehört nicht unbedingt zum festen Handwerkszeug eines Menschen, der sein Leben lang etwas anderes gemacht hat, als zu schreiben.

Linke Seite fotografische Dokumente, rechte Seite der Text. „Das Buch soll kein Katalog meiner Werke sein“, erklärt Albert Sous. „Die Bilder sollen das jeweilige Entstehen zeigen.“ Und so nimmt im jetzt erscheinenden Auszug der Kugelbrunnen denn auch ein großes Kapitel ein – beginnend mit der Beschreibung, wie der Künstler auf haarsträubende Weise an die Tausenden Porzellankugeln aus dem Kernforschungszentrum Jülich gelangt ist, die er in dem Brunnen verbaut hat.

Ausgegraben hat er sie – denn als man sie in Jülich zu Testzwecken des Kugelhaufenreaktors nicht mehr gebraucht hatte, wurden sie entsorgt und in der Nähe der KFA vergraben. Sous fand sie durch Zufall – 1971 auf den Hinweis einer Frau hin, die dort mit ihrem Hund spazieren gegangen war. Drei Lastwagen-Container voll lagerte er schließlich allein in seinem Garten in Würselen. Insgesamt barg er 800.000 Kugeln.

Sous erinnert sich: „1975 plante die Stadt Aachen eines ihrer größten Stadterneuerungsprojekte, die Neu- und Umgestaltung der Adalbertstraße in eine Fußgängerzone.“ Bis 1974 fuhr hier noch die Tram durch die enge Straße.

Acht Bildhauer aus ganz Deutschland wurden seinerzeit eingeladen, einen Brunnenentwurf vorzulegen für den freien Platz zwischen großer und kleiner Adalbertstraße. Sous überzeugte die Jury und machte schließlich mit seiner Idee das Rennen. Die Einweihung: „Der Menschenandrang am Kugelbrunnen war unvorstellbar.“ Das Aachener Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig beglückwünschten Sous gleich vor Ort.

Dem abenteuerlichen Bau seiner Flaschenkuppel über dem stählernen Tresorbau neben seinem Haus in Würselen widmet Sous auch ein Kapitel in seinem vorgedruckten Auszug. 1984 war sie endlich geschlossen und sorgte sogleich für Furore. Ganze Besuchergruppen, Kultur- und Heimatvereine fanden sich zum Besuch ein; renommierte Architekturzeitschriften stellten den außergewöhnlichen Bau reich bebildert in großen Artikeln vor.

Apropos Kugelbrunnen: Der Bürgermeister von Bagdad wollte 2010 ein doppelt so großes Stück bestellen – das Projekt scheiterte an einer geforderten viel zu kurzen Lieferzeit und an einer anständigen Vorauszahlung, die die kunst- und sprudelsinnigen Araber nicht bereit waren zu zahlen . . .

Das Buch wird in einer Auflage von 2000 Exemplaren erscheinen. Der Auszug vorab wird in Kürze veröffentlicht und dann auch über das Medienhaus Zeitungsverlag Aachen erhältlich sein.

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