Woong-jo Choi zurück im Ensemble des Aachener Theaters

Von: Jenny Schmetz
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Ob mit Glitzeranzug, Vollbart oder Gummistiefeln: Bass-Bariton Woong-jo Choi auf der Bühne des Aachener Theaters. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Eigentlich ist er ja meist für die Väter-Rollen zuständig. Doch zu Beginn des Gesprächs gibt Woong-jo Choi erst einmal den zurückgekehrten Sohn. Auf die Frage, warum er ab der kommenden Saison wieder im Ensemble des Aachener Theaters singe, antwortet der Südkoreaner kurz und knapp: „Mein Vater hat angerufen.“

Es erklingt ein wohltönend tiefes Lachen – natürlich, der 39-Jährige ist Bass-Bariton – und seine Hände zeigen auf einen Herrn in Schwarz, der mit am Tisch sitzt. Der sieht offenkundig nicht asiatisch aus, sondern eher wie Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck. Und ihm ist der Vater-Vergleich ebenso offenkundig ziemlich unangenehm. Jedenfalls findet er den Begriff eher missverständlich, referiert über kulturelle Unterschiede und die Bedeutung der Familie in Korea.

Dennoch: Woong-jo Choi meint das durchaus ernst. Es bestehe eine enge, ja familiäre Beziehung zum Aachener Theater und zu Schmitz-Aufterbeck als einer Art Karriere-Berater, bereits von 2002 bis 2004 waren sie gemeinsam am Luzerner Theater engagiert. Nach seiner erfolgreichen Zeit im Aachener Ensemble von 2005 bis 2008 sei er dann aus privaten Gründen zurück in seine Heimat Seoul gegangen. Näher möchte der Sänger das nicht erläutern. Dort hat er als Dozent unterrichtet, an der National University, an der er selbst studierte – wie viele seiner koreanischen Kollegen, die das Aachener Publikum bestens kennt: der Bariton Tito You, die Tenöre Louis Kim und Yikun Chung, der dort mittlerweile sogar als Professor arbeitet. Aber Woong-jo Choi reichte das nicht: „Ich bin Opernsänger. Ich will auf der Bühne stehen.“ In Korea sei das nur bedingt möglich.

So darf sich der Intendant nun also „sehr stolz“ zeigen, „solch einen tollen Sänger“ im Ensemble zu haben. Bereits zuvor hatte er ihn angerufen und 2012 als König Marke für Wagners „Tristan und Isolde“ als Gast zurückgelockt. Was ihn da besonders beeindruckt hat: „Es gab niemanden auf der Bühne, der so textverständlich gesungen hat wie er.“ Dabei betont Woong-jo Choi, er sei „Ausländer“. „Die deutsche Sprache ist so schwer für uns“, sagt er in perfektem Deutsch. Schon mit Wagners Holländer hatte er 2007 bewiesen, dass die Konsonanten kein Hindernis für ihn sind. Mittlerweile habe sich seine Stimme weiter entwickelt, sei gesetzter, noch voluminöser geworden, meint Schmitz-Aufterbeck. „Ich hoffe sehr, dass Aachen für ihn jetzt zum Sprungbrett wird.“ Um zugleich klarzustellen: „Wir setzen uns für alle Sänger ein!“ So werde etwa der junge Bariton Maximilian Krummen, Stipendiat der Theaterinitiative, ins Opernstudio der Berliner Staatsoper wechseln.

Woong-jo Choi hat erst mal einen Zweijahresvertrag in Aachen. Für einen Bass-Bariton ist er mit 39 Jahren noch ganz jung, sagt der Intendant. Doch der Sänger sagt schon mal ganz unumwunden: „Ich möchte nach Bayreuth!“ Vor dem Wagner-Gipfel steht das Lernen: zunächst für sein Rollen-Debüt als Rocco zum Start der neuen Saison. Er spielt den Kerkermeister in Beethovens Freiheits-Oper „Fidelio“. Wieder Deutsch, wieder ein Vater. Die Proben haben gerade erst begonnen, Woong-jo Choi freut sich auf seine erste Zusammenarbeit mit Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, der ihn als Marke erlebt hat und sofort engagieren wollte. Mit dessen Vorgänger Marcus Bosch hat er kürzlich Premiere gefeiert bei den Opernfestspielen Heidenheim: als Timur in Puccinis „Turandot“. Wieder ein reiferer Herr, ein Vater und König. Noch ein König und Vater, noch eine Partie, in der er sich auch den Casting-Agenten zeigen kann, wird in Aachen ab Februar der Philipp in Verdis „Don Carlo“.

Jetzt aber erwartet er erst einmal seine richtige Familie, die am 21. Juli nach Aachen kommt, seine Frau und die fünf und sieben Jahre alten Söhne, die beide in Aachen geboren sind. Woong-jo Chois leiblicher Vater und seine Mutter leben weiterhin rund 9000 Kilometer entfernt. „Jeder hat Heimweh“, bemerkt er wie nebenbei. Aber Aachen habe einen koreanischen Supermarkt und eine evangelische Gemeinde mit vielen seiner Landsleute. Zurückgekommen sei er jedoch nicht, weil es sich in diesem grünen „Dorf“ im Vergleich zur Zehn-Millionen-Metropole Seoul so angenehm leben lasse. Ja, wir wissen es. Der Grund ist ein anderer. „Aachen ist er“, sagt Woong-jo Choi und zeigt wieder auf den Intendanten. „Vater“ Schmitz-Aufterbeck protestiert da schon gar nicht mehr.

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