Aachen - Wild und übermütig: Movingtheatre.de im Theater Aachen

Wild und übermütig: Movingtheatre.de im Theater Aachen

Von: Grit Schorn
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Mythisch: Emanuele Soavi vom K
Mythisch: Emanuele Soavi vom Kölner movingtheatre.de tanzt sein „Pansolo” in der Kammer des Aachener Theaters, Teil eins des abendfüllenden Programms „Outsiders”. Foto: schmidt/bildautor.de

Aachen. Ein kesser, fast kühner Auftakt in der Kammer des Aachener Theaters: Italienische und deutsche Gassenhauer dröhnen durch den Raum, Emanuele Soavi, einer der Tanz-Chefs der Kölner Tanzcompagnie movingtheatre.de, singt lautstark mit und umarmt jemanden in der zweiten Reihe. Ganz vorne ruft bereits ein erboster Besucher „Klappe halten!”

Doch dann haben es alle verstanden - das war das Vorspiel für die Performance „Outsiders”, die mit „Pansolo” beginnt, Teil eines Mythenprojekts um den bocksfüßigen Halbgott Pan. Als rotglühende Gestalt tritt Soavi zunächst auf die Bühne, mit einem Grasbüschel im Mund. Pans Tiernatur ist voller Wildheit und Übermut. Emanuele Soavi, der für seine Pan-Interpretation den Kölner Darstellerpreis 2011 erhielt, offenbart in existenzieller Körperlichkeit eine Kreatur, die erst Pan werden will. Lautmalerische Töne und Musik begleiten die Werdung Pans, die durch eine verblüffend witzige „Häutung” eingeleitet wird.

Lüsternheit und Panik

Lüsternheit und Panik erfassen Pan, den Außenseiter, er schwitzt, etwas rollt heran, Beute, ein Tier, ein Fetisch? Viele solche Teile findet er, er setzt sie zu einer Art Körper zusammen. Sein Geschöpf, vielleicht eine Gefährtin? Stolz und glücklich ist Pan, der sich dieses Wesen begierig „aneignet”, um es bald darauf brutal zu zerreißen und zu zerstören.

Wie in einem Labyrinth verirrt er sich im Prozess von Entfremdung und Sich-Finden, von Soavi fulminant choreographiert, verkörpert und getanzt. Am Ende gelingt die Verwandlung in den wahren Pan, ein bizarres „Antlitz” wird sichtbar, das aber wiederum nur eine weitere Maske ist für etwas Unbegreifliches. Verdienter Applaus für eine großartige Leistung und eine Stunde voll unglaublicher Bühnenpräsenz.

Im zweiten Teil - „Revolver/killingtime” - boten Massimo Gerardi (auch Choreographie) und Mircea Ghinea eine atemberaubende Performance, die ebenso archaisch wie heutig anmutet. Gefängnis, Straflager oder Irrenhaus: Zwei Männer, ihrer Zivilkleidung und Identität beraubt, hocken auf engem Raum zusammen. Bedrohliche Töne lassen die Angst fast körperlich spürbar werden.

Nähe und Vertrauen zulassen oder Kämpfe ausfechten - alles scheint den beiden Männern gefährlich. Auch hier geht es um titelgebende „Outsiders”, Außenseiter auf schmalem Grat. Moderner Ausdruckstanz, sinnliche Körperlichkeit und auch überraschend fröhliche Alltagsgesten vereinen sich zu einem spannungsvollen Bewegungsduett. Großer Applaus und Jubelrufe für einen ganz besonderen Abend.

Weitere Aufführungen von „Outsiders” in der Kammer des Aachener Theaters am 20., 21., 27. und 28. März sowie am 7. und 13. April. Beginn jeweils um 20 Uhr.
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