Wie ein Bass das Leben verändert

Von: Thorsten Karbach
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Seine Bassline veränderte das Leben von Fran Healy: Paul McCartney. Foto: dapd

Aachen. Es gibt Songs, von denen sagt man, dass sie Leben verändern. „As It Comes” hat das von Fran Healy verändert. Weil Paul McCartney Bass spielte und Healy nun Vegetarier ist. Das hatte er nämlich McCartney als „Dankeschön” geschenkt, weil der Ex-Beatle noch einmal seinen 1963-Höfner herauskramte und Healys Noten aufnahm.

Was sollte er ihm auch sonst schenken? „Er hat bestimmt einen Raum voller ungeöffneter Geschenke. Dann dachte ich, Paul ist ein bekennender Vegetarier, mein Sohn ist es auch, es wäre doch schön, wenn meine ganze Familie sich vegetarisch ernähren würde. Meine Frau sagte sofort: Das ist eine großartige Idee und ein großartiges Geschenk für Paul”, erzählt Healy. Dann lacht er herzlich.

Drei Tage später bekam er ein Paket. Absender: Paul McCartney. Inhalt: Drei vegetarische Kochbücher von Linda McCartney und eine kleine Notiz: „Hier ist ein kleines Startpaket. Liebe Grüße, Paul.” Und Fran Healy ist nun Vegetarier.

Es ist aber nicht allein diese Geschichte, die man als Einschnitt in Healys Leben und Schaffen bezeichnen muss. Denn über 14 Jahre war er der Sänger, Songwriter, Frontmann der schottischen Band Travis. Ohne Travis hätte es Bands wie Coldplay wohl nie gegeben. Das sagt jedenfalls Coldplay-Sänger Chris Martin.

Ein plötzlicher Drang

Und ohne Fran Healy hätte es Travis wohl nie gegeben. Und der Mann liebt seine Band. Deswegen hatte er Anfragen, ob er nicht einmal solo arbeiten wolle, immer abgetan. Doch dann, voriges Jahr, bei einem Konzert in Los Angeles, hatte er den Drang, sein eigenes Album aufzunehmen. „Ganz plötzlich”, wie er sagt.

„Ich dachte in diesem Moment, ich habe mein Leben, meine Familie, meine Frau, mein Kind, ich stehe fest mit beiden Beinen auf dem Boden. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt um auch mein Album zu machen.” Zehn Songs sind das Ergebnis.

„Wreckorder” heißt es. „Recorder” wird es ausgesprochen. Es ist ganz viel Travis. Aber es ist noch mehr Fran Healy. Mit ein bisschen Paul McCartney und Neko Case. Die Singer-Songwriterin ist in „Sing Me To Sleep” im Duett mit Healy zu hören. Es ist ein Song, der so schön ist, dass man gar nicht einschlafen mag.

Überhaupt: Healys Werk mag nicht in seinem Stil, in seiner Richtung überraschen. Aber es ist ungemein herzlich, voller Wärme, irgendwie eine Ode an die ganz großen Healy-Travis-Songs wie „Turn”, „Sing” oder „Flowers In The Window”. „Es ist für mich wie ein Tagebuch”, sagt Healy.

Natürlich waren die Aufnahmen eine ganz neue Erfahrung für den Bandmusiker. „Sonst waren wir als Band zusammen, und irgendeiner sagte immer: Komm, lass uns das noch mal spielen. Nun war ich alleine und habe mir selbst sagen müssen: Spiel es noch einmal. Das war eine sehr lehrreiche Erfahrung”, sagt er.

Gelernt hat er: „Als Songwriter solltest du auch mal solo aufnehmen. Klar habe ich manchmal die großartigen Jungs vermisst, aber dieser Herausforderung muss man sich stellen.” Und eine Wiederholung ist längst beschlossene Sache.

Healy will ein paar Konzerte spielen und sehen, ob er auch alleine ankommt. Dann könnte eine richtige Tournee folgen. Ein Probelauf in Berlin sei erfolgreich gewesen. Dort hat er Solostücke und Travis-Songs gespielt - an Letzteren hat er als Songwriter die Rechte. Das Publikum sei begeistert gewesen.

Das hat Healy bestärkt. „Ich werde diese Tür nicht einfach wieder zuschlagen.” Und Travis bestehe so oder so weiter. Neue Ideen gibt es, neue Alben werden folgen. Healy hat aber noch mehr gelernt. Nämlich, dass er Klavierspielen üben muss. Und, dass er ein mieser Bass-Spieler ist. Deswegen hatte er ja Paul McCartney anschreiben müssen.

„Jeder sieht Paul als Sänger und Songwriter. Aber er ist einer der besten Bass-Spieler aller Zeiten. Alle fragen ihn, ob er einen Song singen will. Ich habe nach einer Basslinie gefragt. Und sie ist fabelhaft”, sagt Healy. Und McCartneys Bass hat aus ihm einen Vegetarier gemacht. Das hat beiden geschmeckt.
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