„West Side Story” begeistert in der Kölner Philharmonie

Von: Bernd Mathieu
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Leonard Bernsteins „West Side
Leonard Bernsteins „West Side Story” beim 25. Kölner Sommerfestival in der Philharmonie lässt niemanden kalt: Elena Sancho Pereg als Maria ist der Star der unter die Haut gehenden Produktion. Liam Tobin als Tony steht ihr kaum nach in Bühnenpräsenz und Stimme. Foto: Thomas Brill

Köln. Was für eine zierliche Person ist diese große Persönlichkeit! Da steht sie kaum eine Viertelstunde nach den Ovationen des Publikums vor dem Künstlereingang der Philharmonie und hält ihren Blumenstrauß fast wie eine Trophäe ganz fest. Und lächelt - glücklich.

Die Premiere in Köln kann man da nur noch so beschreiben: überwältigend, überbordend, überragend. Und die spanische Sopranistin Elena Sancho Pereg ist der unumstrittene Star dieses großartigen Abends mit dem Broadway-Klassiker „West Side Story”.

Kein Kitsch. Kein Tournee-Ensemble auf Durchreise. Keine an allen Ecken und Enden aufs Minimum reduzierte Sparversion. Dieses nach strengen Auflagen präsentierte Original kommt in opulenter Brillanz daher. Perfekt und packend reißt sie die Zuschauer zweieinhalb Stunden in eine Welt emotionaler Betroffenheit und Begeisterung, die so eben nur in der Champions League möglich ist. Sie dokumentiert die Weltklasse und hebt sich meilenweit vom Üblichen ab, das uns in den Musical-Tempeln der Lifestyle-Societies serviert wird. Dieses Bühnenwerk aus dem Jahr 1957 gehört mit diesem exzellenten Revival ganz gewiss in die Philharmonie, weil es in jeder Beziehung pure Kultur ist.

Es verlangt und es gibt alles an schauspielerischer, tänzerischer, gesanglicher Präzision, an Können und Kondition, an Perfektion und Emotion, es setzt Maßstäbe, und es erlaubt nicht die kleinsten Ungenauigkeiten. Die Geschichte der rivalisierenden Straßengangs ist zudem ein - leider - aktuell gebliebenes Migrantenstück und ist auch gleichzeitig die Geschichte einer ziemlich illusionslosen Schicht junger Menschen, die auf der Strecke, genauer: auf der Straße, geblieben sind.

Ohne Job, mit Gewalt, ohne Perspektive, mit Aggressivität, in der großen weiten und vermeintlich besseren Welt des Kapitalismus, aber letztlich doch unter der New Yorker Autobahnbrücke auf das falsche Feindbild einprügelnd und einstechend. Diese Story als die moderne Straßengang-Version von Shakespeares „Romeo und Julia” zu inszenieren, macht dieses Meisterwerk so einzigartig, weil es so einzigartige Schöpfer hat: die Choreographie von Jerome Robbins, die Musik von Leonard Bernstein und die Texte von Arthur Laurents. Es sind Kompositionen wie „Tonight”, „Maria”, „I want to be in America”, „Somewhere” und „I feel pretty”, die diesen Klassiker tatsächlich unsterblich machen. In Köln gelingt es den 36 Darstellern auf der Bühne, dem nicht sichtbaren grandiosen Orchester in den „Katakomben” der Philharmonie und insgesamt über 80 Beteiligten, diese Faszination uneingeschränkt hochkarätig zu vermitteln.

Dem Original sehr nahe

Das dem Original sehr nahekommende Bühnenbild mit schmiedeeisernen Fassadenteilen, Balkonen und den typisch New Yorker Feu-erleitern sowie eingeblendeten Schwarz-Weiß-Fotos mit New Yorker Motiven fängt die Tristesse heruntergekommener Hinterhöfe grandios ein und bietet die ebenso fahle wie passende Bühne für die beiden Straßengangs, die „Jets” und die „Sharks”, für das Drama, das sich rund um Maria und Tony entwickelt. Hochspannung, Emotion, Aggression sind garantierte ständige Begleiter. Hier bleibt niemand „cool” in diesem sehr aktuellen Plädoyer für Toleranz und Verständnis.

Elena Sancho Pereg singt die Maria sensationell, die anderen verblassen nicht dagegen, weil auch sie gut sind, klar, der Kanadier Liam Tobin zum Beispiel, der Tony.

Ein exzellentes Ensemble in einem unerreichten Meisterwerk.

Weitere Aufführungstermine: Samstag und Sonntag, jeweils 15 und 20 Uhr; am 24., 25., 26., 27. Juli, jeweils 20 Uhr; am 28. und 29. Juli, jeweils 15 und 20 Uhr.
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