Wenn eine Pfütze zum Kunstobjekt wird

Von: Katharina Menne
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Sie haben den Überblick bei „new talents – Junge Kunst aus NRW“ im Kunsthaus NRW in Kornelimünster: die Kuratoren (v.li.) Marcel Schumacher, Anne Mager und Jochen Heufelder. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Eigentlich sieht sie aus wie eine ganz gewöhnliche Pfütze. Der leicht trübe Himmel spiegelt sich darin genauso wie die schmucke Barockfassade des Kunsthauses NRW in Kornelimünster. Doch die Pfütze ist alles andere als gewöhnlich. Sie versiegt nie – und ist eine Kunstinstallation.

„Die Pfütze soll den Ankömmling irritieren“, sagt Marcel Schumacher, Leiter des Kunsthauses. „Der Betrachter soll stehenbleiben und sich wundern. Er soll sich fragen, wie etwas so Alltägliches Kunst sein kann.“

Die Pfütze ist Teil des Ausstellungsprojekts „new talents – Junge Kunst aus NRW“, das vom 11. Februar bis zum 23. April in Kornelimünster gastiert. Zehn Teilnehmer des spartenübergreifenden Festivals „new talents – biennale cologne“, das bereits im vergangenen Jahr in Köln stattgefunden hat, wurden für die zweiteilige Folgeausstellung speziell ausgewählt. Die erste Station war die Kunsthalle Recklinghausen.

„Die Künstler kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen“, erklärt Schumacher. „Ihre Positionen reichen von klassischer Malerie und Skulptur über Video- und Soundarbeiten bis hin zu raumbezogenen Installationen.“ Sie alle eint ihre Vielseitigkeit und Flexibilität. Und, dass sie ihren künstlerischen Abschluss innerhalb der letzten vier Jahre gemacht haben sowie ihren Lebensschwerpunkt in NRW haben. Durch die Förderung herausragender junger Talente erhalte man einen Einblick in die Kunst einer neuen, emporstrebenden Generation, sagt Schumacher.

Die Ausstellung ist wie ein Parcours arrangiert. Der Besucher wird von Raum zu Raum und von Station zu Station geführt. Die Kunstobjekte sind unterschiedlich in die Umgebung integriert – mal stören sie bewusst, mal sind sie Teil des Raums, mal interagieren sie miteinander. Julia Gruner hat sich von der teilweise noch erhaltenen barocken Deckenmalerei im Kunsthaus inspirieren lassen und die Kassettendecke des ersten Raums mit bunten Tapetendrucken gestaltet. Die interessanten Farbverläufe sind entstanden, indem sie Farbtropfen mit dem Mikroskop vergrößert hat.

Weniger gegenständlich als viel mehr simulativ arbeitet Sebastian Thewes. Seine Audioinstallation im Innenhof vermischt Vogelgezwitscher mit Delfinlauten und Affengeschrei. Sein Video im Innenraum stellt ein sich langsam bewegendes, animiertes Gemälde dar. Er spielt dabei mit verschiedenen Oberflächen, Texturen, Symmetrien und Störfaktoren.

Bastian Hoffmann, der auch für die Pfütze verantwortlich ist, hat eine Art Stolperfalle vorbereitet. „Zunächst gleitet der Blick über den Steinhaufen“, erläutert Ausstellungskurator Jochen Heufelder. „Auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter, dass jeder Stein eine Kopie des anderen ist. Lauter Klone.“ Erst die Beschäftigung mit dem Objekt führt zur Erkenntnis. Erst die Beschäftigung mit der Pfütze macht sie zu Kunst.

„Wir verstehen Kunst als Erlebnis“, sagt Jochen Heufelder. Zusammen mit Anne Mager leitet er die Ausstellungsinitiative „new talents“. Beide beobachten die Entwicklung der Kunststudenten an Akademien und Hochschulen.

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