Wenn die Skulptur zum Kleiderständer wird...

Von: Eckhard Hoog
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Die Skulptur als Kleiderständer: Das Werk, das Brigitte Franzen, Leiterin des Aachener Ludwig Forums, hier präsentiert, stammt von dem gebürtigen Mexikaner Gabriel Kuri. Am Sonntag (5. April) öffnet die Ausstellung „Pop Up!”. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mit ihrer ersten Ausstellung „Pop Up!” (5. April bis 23. August) gibt Brigitte Franzen, die neue Leiterin des Aachener Ludwig Forums, ihre Visitenkarte ab. Zentrale Werke der Sammlung Ludwig wie die von Chuck Close und Nancy Graves werden mit den Positionen von zeitgenössischen Kreativen konfrontiert.

Ein erster Blick in die Schau gibt Vielversprechendes preis... Zum Beispiel vier eidottergelbe, flächige Metallskulpturen, die den gesamten Eingangsbereich der Halle vollständig dominieren. Sie stammen von dem in Brüssel lebenden, gebürtigen mexikanischen Künstler Gabriel Kuri.

„Items in care of items” - etwa „Gegenstände, die sich um Gegenstände kümmern”, betitelt er die 2008 geschaffenen Objekte, die bislang erst einmal, in der Berliner Neuen Nationalgalerie, ausgestellt waren. Die vier plattenartigen Objekte, die wie architektonische Versatzstücke, Wände oder Dächer, anmuten, bilden - darauf muss man erst einmal kommen - für die Dauer von „Pop Up!”: die Garderobe. Die Ablagefläche für lästige Mitbringsel aller Art und Ständer für Mäntel, Jacken, Taschen oder Rucksäcke. Magnete dienen zur Befestigung.

„Ein ironisches Spiel”

Hier wird die Kunst buchstäblich vom Sockel geholt, das für gewöhnlich Unberührbare zum praktischen Möbelstück mit ästhetisch sittlichem Nährwert. „Ein ironisches Spiel mit dem Begriff der Autonomie des Kunstwerks”, erläutert Brigitte Franzen. Die Kratzer, die zwangsläufig während der fünf Monate im Ludwig Forum auf der gespritzten Oberfläche entstehen, werden dabei keineswegs als Makel angesehen, ganz im Gegenteil: Die Spuren der Nutzung sind Teil der Kunst, das Veränderliche wird zu ihrem Wesen.

Ein sympathischer Zug prägt auf diese Weise das Werk von Gabriel Kuri, den man den Skulpturen mancher seiner Kollegen gerne wünscht: Die geschlossenen Holzkisten des weltberühmten amerikanischen Minimal-Künstlers Donald Judd beispielsweise: Hätten die Türen, könnte man sie wenigstens als Kleiderschrank brauchen...

Indessen findet sich ein ähnlicher Ansatz bereits in der Sammlung Ludwig beim Alu-Objekt von Lygia Clark, das aus gemoetrischen Metallflächen besteht, die über Gelenke miteinander verbunden sind. Der Kunstfreund, war beabsichtigt, sollte nach Herzenslust selber daran herumformen und sich an der Veränderbarkeit der Kunst erfreuen. Allerdings ist das Objekt mittlerweile so lädiert, dass keine Berührung mehr erwünscht ist. So jedenfalls wird „Pop Up!” funktionieren und manchen Aha-Effekt auslösen...
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