Wenn der lüsterne Ochs auf Brautschau geht

Von: Grit Schorn
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Dornenreich: Den Ochs (Frances
Dornenreich: Den Ochs (Francesco Russo) trifft es mitunter hart im „Rosenkavalier” - in einer Textversion der Strauss-Oper im Aachener Theater K. Foto: Ludwig Moll

Aachen. „Der Rosenkavalier”, Richard Strauss Komödie für Musik, die auch eine Reverenz an Mozart war, wurde vor 100 Jahren in Dresden höchst erfolgreich uraufgeführt.

Seit einem Vierteljahrhundert existiert in Aachen das farbenreiche Theater K, und mit seiner 100. Inszenierung hat die Bühne in der Bastei erneut Mut (und köstlichen Übermut) bewiesen: Denn nicht die Strauss-Oper galt es jetzt zu erleben, sondern den Text von Hugo von Hofmannsthal. Der ein saftiges Stück voller Witz, Melancholie und philosophischer Weisheit offenbart.

Das geistreiche Libretto führt unmittelbar ins Schlafzimmer der einsamen Marschallin, deren ungeliebter Gatte oft auf Reisen ist. Die schöne Marie-Theres vergnügt sich mit ihrem jungen Liebhaber Octavian im Lotterbett - ideal besetzt mit Mona Creutzer als reife Marschallin und Annette Schmidt als Octavian, den jungen, einfühlsamen Adeligen. Die Hosenrolle kleidet die Schauspielerin nicht nur gut, sie verwandelt sich auch noch köstlich in die Kammerzofe „Mariandl”, damit die heimliche Liebesbeziehung auch geheim bleibt. Und schon funkt der übergriffige Vetter Ochs von Lerchenau ins Schäferstündchen hinein, der für sich einen Brautwerber sucht. Francesco Russo spielt den lüsternen Ochs mit herrlicher Falstaff-Attitüde und rauer Egozentrik.

Die Brautwerbung durch Octavian geht hübsch daneben, denn die blonde Braut (Anna Scholten als herzige Sophie) kann den aufdringlichen Ochs nicht ausstehen. Umso mehr aber den jungen Werber! Auch für Octavian ist es Liebe auf den ersten Blick. Rote Rosen treffen auf eine Dartscheibe, und später wird Ochs nicht etwa von Octavians Degen verwundet, sondern von einem spitzen Rosendorn - „Auaaah!” Solche und andere Einfälle machen das Stück, das auch schon mal wie nebenbei eine Melodie als Zitat einspielt, zum ungetrübten Vergnügen.

Das Theater-Urgestein Erich Josef Langwiesner, Gründer von Theater K, Regisseur, Schauspieler und Autor, hält in seiner Inszenierung die vielen verwirrenden Fäden einfallsreich und mit leichter Hand zusammen. Bezaubernd und überzeugend: Mona Creutzer als reife Frau, die bereits ahnt, dass sie ihren jungen Liebhaber an eine Jüngere verlieren wird.

Mit Wiener Schmäh brilliert die prächtige Szene um den lüsternen Baron, der in einer maroden Kneipe das reizende Mariandl alias Octavian „herumkriegen” will. Bei Tanz und Wein, Klavierbegleitung und Prügelei muss der arme Ochs begreifen, dass alles nur eine trügerische Farce war, eine „Wienerische Maskerad”. Wunderbar eingesetzt in dieser 100. Theater-K-Inszenierung auch Jochen Deuticke als Sophies ehrgeiziger Vater und als Notar, ebenso köstlich Barbara Portsteffen, Dieudonné Kitenge-Buku und Ismael Hawramy in verschiedenen Diener-, Wirts- oder Intriganten-Rollen.

Viel Begeisterung und herzlicher Applaus für eine tolle, herrlich boshafte Austria-Komödie.

Die weiteren Aufführungen

Weitere Aufführungen von „Der Rosenkavalier - heute keine Oper” im Aachener Theater K, Ludwigsallee 139, am 30. September sowie am 1., 7., 8., 15., 16., 21., 22., 28. und 29. Oktober. Beginn um 20 Uhr; Ausnahme am 16. Oktober: 18 Uhr!

Karten: Telefon 0241/15 11 55.

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