Weltkunstmarktbericht: Auf das Wachstum folgt die Talfahrt

Von: Christoph Driessen
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Superreiche haben Kunst als Geldanlage entdeckt – Topstücke werden dadurch immer teurer. Die Tefaf Maastricht hat davon genug im Angebot, heute wird sie eröffnet. Gestern wurde noch gesaugt. Foto: Harry Heuts

Maastricht. Der Weltkunstmarkt hat sein Allzeithoch von 2014 im vergangenen Jahr nicht mehr halten können und einen Umsatzrückgang von sieben Prozent verzeichnet.

Nach dem spektakulären Wachstum der letzten Zeit sei nun „eine unvermeidliche Abkühlung“ eingetreten, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten jährlichen Weltkunstmarktbericht „Art Market Report“ der Kunstmesse Tefaf in Maastricht. Von 68 Milliarden Dollar fiel der weltweite Umsatz demnach auf 63 Milliarden Dollar (57,5 Milliarden Euro). Die Zahl der Verkäufe ging um zwei Prozent auf 38 Millionen zurück.

Die USA bauten ihre Position als größter Markt aus (43 Prozent) und liegen nun deutlich vor Großbritannien (21 Prozent) und China (19 Prozent), das aufgrund eines Umsatzeinbruchs auf den dritten Platz zurückfiel. Deutschland spielt eine eher untergeordnete Rolle mit einem Fünf-Prozent-Anteil am EU-Kunstmarkt. Großbritannien mit den Auktionshäusern Christie‘s und Sothebys‘s hält hier 64 Prozent.

Das größte Marktsegment ist Nachkriegskunst und zeitgenössische Kunst. Der bestverkaufte Künstler war hier Andy Warhol. Bei Werken der klassischen Moderne führte Picasso. Sein Gemälde „Les femmes d‘Alger“ hatte im vergangenen Jahr einen Rekordpreis von 179 Millionen Dollar erzielt. Dies spiegelt dem Bericht zufolge die zunehmende Polarisierung des Marktes wider. 90 Prozent aller versteigerten Kunstwerke erzielten 2015 zum Beispiel weniger als 50.000 Dollar, doch machten sie zusammen nicht mehr als zwölf Prozent des gesamten Umsatzes aus. Das meiste Geld wurde mit den Spitzenwerken einiger weniger berühmter Künstler gemacht.

Gérard J. Corboud ist ohne Zweifel vermögend, sonst hätte er im Laufe seines Lebens kaum Meisterwerke von Claude Monet, Paul Gauguin oder Auguste Renoir erstehen können. Doch schon seit geraumer Zeit sieht sich der 90 Jahre alte Schweizer außerstande, seine Sammlung noch zu erweitern: „Nicht mehr zu bezahlen“, sagt er. Die Preise für Spitzenwerke sind explodiert.

Der Grund dafür ist, dass die Superreichen die Kunst als Geldanlage entdeckt haben. Für sie haben Gemälde keine andere Funktion als Aktien oder Immobilien. Gefragt sind bei ihnen allerdings nur Werke von weltberühmten Top-Künstlern – denn bei denen kann man ziemlich sicher sein, dass die Preise weiter steigen werden. Gemälde von Gerhard Richter zum Beispiel gelten als sichere Bank, denn sein Rang in der Kunstgeschichte scheint gesichert. Das Spitzensegment dominiert inzwischen den gesamten Kunstmarkt.

Die Spitzenstars zählen

Weniger als ein Prozent aller im vergangenen Jahr versteigerten Kunstwerke erzielten Preise von mehr als einer Million Dollar – und doch wurde mit ihnen mehr als die Hälfte (57 Prozent) des gesamten Auktionsumsatzes erzielt. In den zehn Jahren bis 2015 hat sich der Umsatz in dieser Top-Sparte um 1000 Prozent gesteigert. Dabei geht es lediglich um ein paar Dutzend Namen. Wie in Hollywood zählen auch in der Kunst nur die Top-Stars.

Mit dem ganz normalen Kunstbetrieb hat das schon lange nichts mehr zu tun.

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