Wellness für die Seele im Aachener Dom

Von: Eckhard Hoog
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Sie stemmen die Uraufführung des Stücks „Der lange Atem“ am kommenden Mittwochabend im Aachener Dom zusammen mit 65 Sängerinnen und Sängern: (von links) Komponist Heribert Leuchter, Domkapellmeister Berthold Botzet, Chorleiter Harald Nickoll (Carmina Mundi) und Organist Lutz Felbick. Foto: Stefan Rauh

Aachen. Wellness für die Seele, Balsam für den Geist – das verbindet einer der namhaftesten Chorleiter unserer Region mit einem neuen Stück des Musikers Heribert Leuchter, das an diesem Mittwoch um 19 Uhr im Aachener Dom uraufgeführt wird.

Sein Name: Harald Nickoll. Seit Monaten probt er mit seinem Kammerchor Carmina Mundi Leuchters Chorsätze, vier Kompositionen, die für einige der 40 Sängerinnen und Sänger ganz besondere Herausforderungen darstellen – sie müssen während der Aufführung in einigen Passagen frei improvisieren. Nickoll: „Es gibt wenige Chöre, die das können.“

„Der lange Atem“, so lautet der Titel dieser Musica sacra, die als Auftragskomposition der Gesellschaft für zeitgenössische Musik Aachen als Beitrag zum Karlsjahr entstanden ist. Neben Carmina Mundi wirken die 25 Sänger der Schola des Aachener Domchores unter der Leitung von Domkapellmeister Berthold Botzet ebenso mit wie der Komponist selbst – als Saxophonist – und Lutz Felbick an der Orgel. Jato – „Jazz at the Organ“ – spielt nun schon seit vielen Jahren in der Duo-Besetzung Felbick/Leuchter, was auch das neue Stück Heribert Leuchters nachhaltig prägt.

„Es umspannt über 1200 Jahre“, erklärt der vielseitige Aachener Komponist, Arrangeur, Bandleader, Film-, Fernseh- und Bühnenmusikproduzent. „Es beginnt 789.“ Das Jahr gilt als ein Markstein in der Musikgeschichte, als Beginn einer von Karl dem Großen initiierten Notation musikalischer Gestalten für den Gregorianischen Gesang. Genau damit setzt „Der lange Atem“ denn auch ein: Die Schola besorgt den gesanglichen Auftakt zu der rund einstündigen Aufführung.

Die stilistische Vielfalt, die zur Entfaltung kommt, ist enorm, „aber es handelt sich nicht um ein Experiment“, betont Leuchter nachhaltig. Seine instrumentale Improvisation im Jato-Verbund mit Felbick an der Orgel versteht er als verbindende Elemente zwischen den einzelnen Chorsätzen. Über allem schwebt indessen der Geist Karls des Großen, und das an einem Ort, der selbst wie kein anderer den atmosphärischen Rahmen prägen wird.

Nickoll: „Die musikalische Zeitreise spiegelt sich im Dom wider, an dem immer wieder gebaut wurde. Sie manifestiert sich in stetiger Wandlung.“ Das Publikum soll diese spirituelle Kraft intensiv spüren bei einem klanglichen Spektrum, das von der fränkischen Gregorianik bis zur Collage und Improvisation reicht.

„Wir lassen den Raum sprechen“, erklärt Botzet. Seine Schola bezieht einen Standort in der Chorhalle, die übrigen Sänger und Musiker verteilen sich auf verschiedenen Ebenen im Dom. „Raum, Architektur und Mystik bilden so eine Einheit.“ Einzelne Soloparts münden dabei in rein gesprochene Improvisationen. „Der Zuhörer sollte schon ein wenig Dissonanz-erprobt sein“, sagt Botzet. „Es wird kein klassisches Konzerterlebnis. Und es gibt auch keine Zugabe.“

Reiche Jazzerfahrung

Lutz Felbick bringt an der Orgel seine reiche Jazzerfahrung ins Spiel und seine wichtigste Inspirationsquelle: Olivier Messiaen. Zehn Jahre war er Kantor an der Dreifaltigkeitskirche, seit 1993 arbeitet er nicht nur als Musiker, sondern auch als Musikwissenschaftler an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf.

Leuchters moderne Chorimpressionen umkreisen inhaltlich das Paderborner Karlsepos „Karolus Magnus et Leo Papa“, Texte von Geoffrey Chaucer, Alcuin of York und eine Inspiration durch das Gedicht „Es ist was es ist“ von Erich Fried. All das wird verbunden durch Improvisationen des Duos Jato und Klangcollagen der Schola. „Der meditative Charakter wird stark und permanent sein“, verspricht Nickoll.

Der Titel ist vielfältig interpretierbar: „Wir arbeiten alle mit Wind“, sagt Leuchter. Dabei können die Momente des Zyklischen, des Gemeinsamen und des Miteinanders genauso gut gemeint sein. Botzets Appell an die Zuhörer: „Man wird nicht in Klängen baden können. Man sollte neugierig und offen sein.“

Der Eintritt zum Konzert ist frei, erbeten wird am Ausgang ein freiwilliger Kostenbeitrag.

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