Weites Meer gegen enge Etikette

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
tristanbild
Ihre Liebe ist ein Trümmerhaufen: Die Oper Köln zeigt Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde” mit Richard Decker und Annalena Persson in den Titelpartien. Foto: Oper

Köln. Nach etlichen szenischen Debakeln ist der Kölner Oper mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners Liebes-Elegie „Tristan und Isolde” immerhin ein Achtungserfolg gelungen, der allerdings von musikalischen Schwächen überschattet wird.

Mit dem prominenten Briten David Pountney führte ein kreativer Routinier Regie, der Wagners aktionsarme „Handlung in drei Aufzügen” mit Erfahrung, handwerklichem Geschick und einer Prise Inspiration recht schlüssig auf die Bühne brachte.

Dem Problem, dass Wagner die Handlung mit psychologischer Akribie ins Innere der Protagonisten verlagerte, begegnete Pountney mit einer genauen Personenführung, optisch angereichert durch suggestive Bühnenbilder von Robert Israel.

In Form eines Boxrings

Das in den Rahmenakten allgegenwärtige weite Meer setzt einen markanten Kontrapunkt zur engen gesellschaftlichen Etikette, die Tristan und Isoldes verbotene Liebe einschnürt. Eine Enge, die im ersten Bild auf einem kleinen, quadratischen Schiffsdeck auch für den Zuschauer spürbar wird. Im Format eines Boxrings, in dem die beiden ihre extremen, zwischen Hass und ekstatischer Liebe schwankenden Gefühlskämpfe ausfechten.

Zum Stelldichein mit der großen Liebesszene im zweiten Akt trifft man sich in einer zerklüfteten Trümmerlandschaft, als habe man Stonehenge in die Luft gesprengt. Die Warnerin Brangäne wird an eine Säule gefesselt, was das drohende Verhängnis natürlich nicht verhindern kann. Im dritten Akt öffnet sich die Perspektive auch für Isolde, wenn auch erst an der Seite des toten Geliebten. Pountney gelingt eine geschickte Mischung aus statischer Ruhe und fein dosierter Bewegungsenergie, so dass viele innere Details erkennbar werden.

Nur begrenztes Glück beschert das musikalische Niveau. Vor allem die Titelpartien sind mit Annalena Persson und Richard Decker anfechtbar besetzt. Annalena Persson als Isolde verfügt zwar über eine beachtliche Bühnenpräsenz, kann aber mit ihrer schwachen Mittellage die Höhen nur forciert und schrill bewältigen.

Richard Decker singt vom ersten Takt an am Limit, schont sich in den ersten Akten so gut es geht und bietet kaum mehr als eine Zitterpartie. Dalia Schaechters Brangäne verfügt zwar über dramatisches Temperament, aber nur über wenig Mezzo-Wärme. Und Alfred Reiter bleibt als Marke weitgehend farblos.

Als Pluspunkt ist einzig der Kurwenal von Samuel Youn zu nennen, der schon konditionell den Tristan an die Wand singen kann.

Markus Stenz gilt als profilierter Wagner-Dirigent. Die schwache Besetzung erfordert allerdings so viel Rücksichtnahme, dass sich der Klang nicht immer ausreichend voluminös entfalten kann.

Die Reaktionen des Premierenpublikums fielen zwiespältig aus.

„Tristan und Isolde”, Oper von Richard Wagner, Oper Köln, Offenbachplatz. Die nächsten Aufführungen in der Kölner Oper: 27. März sowie am 3., 11., 23. und 26. April.

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