Köln - Weichgespültes klingt heute hart und rockig

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Weichgespültes klingt heute hart und rockig

Von: Hanna Styrie
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Außen hart, innen ganz weich: Peter Maffay ließ in der Kölner Arena seine 40 Jahre währende Karriere Revue passieren. Foto: Thomas Brill

Köln. Der Mann ist ein typischer Fall von „Harte Schale, weicher Kern”: Erst rauscht Peter Maffay auf der Harley in die Halle, dann stimmt er Schmachtfetzen wie „Sonne in der Nacht” an.

Mit dem Konzert in der vollbesetzten Kölner Lanxess-Arena ist die große „Tattoos”-Tournee fast am Ende angelangt. Seine 40 Jahre dauernde Karriere lässt der 61-jährige Deutschrocker dabei Revue passieren und hat sich dafür Verstärkung beim „Philharmonic Volkswagen Orchestra” geholt, das neben der angestammten Band für eine opulente Klangkulisse sorgt.

Gestählte Oberarme

„Tattoos” trägt Maffay nicht nur auf den durch Krafttraining gestählten Oberarmen und der Brust freizügig zur Schau; sie dienen auch als Synonym für die zahlreichen Hits, die sich in die Musikgeschichte eingeschrieben haben.

Den „Steppenwolf” gibt es zum Auftakt, Maffay singt ihn auf der kleinen Nebenbühne und foppt damit die erwartungsvoll nach vorne blickenden Fans.

Dann geht es Schlag auf Schlag: „Kein Weg zu weit”, „Es war Sommer” und „Du” erinnern an die siebziger Jahre; auf den seitlichen Leinwänden sieht man den Sänger mit Föhnfrisur, Schlaghosen und Plateausohlen auf „Bravo”-Titelbildern posieren. Das Publikum von damals ist ihm treu geblieben und singt die schmalzigen Texte lauthals mit.

Was damals weichgespült klang, hat jetzt allerdings eine markante rockige Einfärbung bekommen. Maffay selbst knallt schwere Akkorde in seine Gitarre, und nichts an diesem Mann mit der verstrubbelten Mähne, den gegerbten Gesichtszügen und den dicken Silberringen erinnert noch an den Schlagerbubi der ZDF-Hitparade, der er einst war.

Klar, dass weder der Abrüstungssong „Eiszeit” noch „Sieben Brücken” im Programm fehlen; Chartstürmer, zu denen Band und Orchester ebenso den bombastischen Sound liefern wie zu „Bis ans Ende der Welt”. Bei „Ewig” lässt er sich nur vom Orchester begleiten.

In tiefster Seele ein Romantiker

Die besten Momente des mit zweieinhalb Stunden üppig dimensionierten Konzerts erlebt man, wenn Maffay sich auf die Zweitbühne begibt. Da wird es selbst im Riesenoval der Arena bei handgemachter Musik mit den Gitarristen Carl Carlton und Peter Keller und Chris Kramer an der Bluesharp ganz intim.

Nach dem leisen Akustik-Teil fetzt die Band mit Cover-Versionen von „Addicted to love” und „Radar Love” ab, dann steuert der Star mit „Josie” und „Freiheit, die ich meine” kraftvoll ins Finale.

Bei „Halt dich an mir fest” singen wieder alle mit. Mag sich Maffay noch so rockig-rotzig geben, in tiefster Seele ist er eben doch ein unverbesserlicher Romantiker geblieben.

Am 3. Juni 2011 gibt es ein Zusatzkonzert in der Lanxess-Arena.
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