Was man Menschen zutraut: „Supergute Tage“ im Das Da Theater

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Kletterpartie: Mario Thomanek (li.) und Bernhard Schnepf in „Supergute Tage“. Foto: Achim Bieler

Aachen. „Heißt das, ich kann alles?“ Es ist der letzte Satz im Stück „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ nach dem Roman von Mark Haddon, das jetzt Premiere im Aachener Das Da Theater feierte. Es ist der Satz, der das Stück von Beginn an antreibt.

Welche inneren Grenzen kann ein 15-jähriger Junge mit Asperger Syndrom, eine Form des Autismus, verschieben? Kann er seine Angst vor Unerwartetem und Ungewohntem überwinden?

Ja, er kann. So viel sei verraten. Christopher Boone will den Mord an dem Nachbarhund Wellington aufklären. Das hat er sich in den Kopf gesetzt, obwohl es sein Vater ausdrücklich verboten hat. Dass er damit seine ganze Welt auf den Kopf stellt, ist zunächst nicht abzusehen. Hätte er es gewusst, wäre der Jugendliche vielleicht zurück geschreckt. Am Ende fragt er nur: „Heißt das, ich kann alles?“

Regisseur Achim Bieler lässt den sechs Schauspielern keine Atempause. Sie stehen während der gesamten Spieldauer auf der Bühne, auch wenn sie gerade keinen Text haben. Durch ein minimalistisches, gleichzeitig variables Bühnenbild von Frank Rommerskirchen sind die Blicke immer auf sie fixiert. Es gibt keine Chance, eine Pause einzulegen. Kein Problem für Mario Thomanek, Elena Lorenzon, Bernhard Schnepf, Michelle Bray, Anne Noack und Tobias Steffen. Sie wissen immer, wo ihre nächste Position ist und welche Rolle sie gerade einnehmen. Bis auf Thomanek – er spielt Christopher Boone – übernehmen alle ganz unterschiedliche Charaktere: angenehme, unfreundliche, liebenswerte, vom Leben überforderte Menschen.

Grenzen und Möglichkeiten

Das ergibt eine gute, sehr geschlossene Ensembleleistung, aus der Mario Thomanek auch aufgrund seiner Athletik noch einmal hervorsticht. Tief scheint er sich auch in die Materie Autismus eingearbeitet zu haben. Sein Christopher ist ein Junge voller Grenzen und Möglichkeiten.

Das Bühnenbild bringt Orientierung in die ständigen Orts- und Zeitwechsel der Buchvorlage: Christophers an die Wand projiziertem Gehirn entschweben Orte und Zeiten wie Überschriften von Buchkapiteln. So können die Hocker und Drahtgestelle auf der Bühne zu allem werden, was gefordert ist: Parkbank, Ladentheke, Klassenzimmer, Wohnung. Das trägt zur Beruhigung bei, denn das vorherrschende Gelb an den Wänden und bei den Kostümen (Michaela Gabauer) ist eine Herausforderung. Und doch schlüssig: Diese Farbe symbolisiert alles Fremde, das Christopher umgibt. Er verabscheut sie – und muss sich ihr doch stellen.

Viel Applaus für einen Theaterabend zum Schmunzeln und Nachdenken über das, was man Menschen zutraut, wenn sie anders sind als man selbst.

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