Aachen/Düsseldorf - Warhol-Bilder: „Jahrelang hat sich keiner dafür interessiert“

Warhol-Bilder: „Jahrelang hat sich keiner dafür interessiert“

Von: Eckhard Hoog
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Ihr Schätzwert liegt bei 130 Millionen Dollar: „Triple Elvis“ (1963) und „Four Marlon“ (1966) von Andy Warhol. Die Westdeutschen Spielbanken GmbH & Co. KG will die Werke, die einst für das Aachener Spielcasino gekauft wurden und sich seit mindestens fünf Jahren – der Grüne Fraktionsvorsitzende im NRW-Landtag Reiner Priggen spricht von sieben Jahren – im Safe befinden, am 12. November in New York versteigern lassen. Die Debatte darum wird mittlerweile bundesweit geführt. Foto: dpa
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Sie vertreten sehr konträre Positionen in der Debatte um den Verkauf der Warhol-Bilder aus dem Aachener Spielcasino: die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen...
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... und der Aachener Fraktionschef der Grünen im NRW-Landtag, Reiner Priggen.

Aachen/Düsseldorf. „Jahrelang hat es weder die Aachener Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die sich jetzt so echauffiert, noch andere interessiert, wo sich die Warhol-Bilder befinden.“ Reiner Priggen, der Aachener Fraktionsvorsitzende der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, spricht Klartext: Er plädiert entschieden für den umstrittenen Verkauf der millionenschweren Bilder „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ aus dem Aachener Spielcasino.

Und er bekennt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er selbst es war, der den entsprechenden Anstoß dazu vom Betriebsrat der Aachener Spielbank aufgenommen und weiterverfolgt hat. Mit Erfolg: Am 12. November findet bei Christie’s in New York die Versteigerung statt, und dagegen ist laut Priggen und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) auch nichts mehr zu machen. „Das ist nicht mehr zu stoppen“, sagt Priggen, zumal alles mit dem NRW-Finanzministerium abgestimmt sei.

„Absurde Situation“

„Über sieben Jahre lagen die Bilder im Tresor, und keiner hat sie vermisst.“ Priggen hält die gegenwärtige Situation für absurd, dass die Kulturszene sich jetzt in einem Aufschrei empört, wobei es selbst einer Aachener Kulturdezernentin früher offenbar völlig egal gewesen sei, dass die Warhol-Bilder in einem Kontext von „Rauchen, Trinken und Spielen“ gehangen und dann einfach verschwunden waren. Vom Gegenargument eines vermeintlichen „Ausverkaufs von Kulturgut“ hält er gar nichts: „Die Bilder sind Eigentum einer GmbH und nicht einer staatlichen Institution.“ Im Übrigen gehörten zu den Sammlungen der Casinos in Dortmund, Aachen und Bad Oynhausen nicht nur die Warhols, sondern auch Werke von Uecker und Picasso. „Auch für die hat sich bislang niemand interessiert. Jetzt plötzlich wird die Szene wach.“

Für Priggen ist ein anderes Argument entscheidend: der Erhalt von 100 Arbeitsplätzen und der Bestand des Aachener Casinos. Genau das sei vor Jahren ihm gegenüber vom Betriebsrat der Aachener Spielbank ins Feld geführt worden, und das habe er unterstützt. „Kunstwerke werden doch immer mal verkauft“ – so begründet der Grüne Fraktionschef seine Position und hält es mit der Ministerpräsidentin, die festgestellt hat, dass überhaupt kein Werk eines Museums zum Verkauf gelangt.

„Unsachlich“ findet indessen die attackierte ehemalige Aachener Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen, seit 2004 Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder mit Sitz in Berlin, Priggens Argumente. Und: „Aufschlussreich.“ Immerhin sei von Seiten der Landesregierung immer von einer „Autonomie“ der Casino-betreibenden Westdeutschen Spielbanken GmbH & Co. KG die Rede gewesen, auf einmal hieße es, alles sei politisch abgestimmt – zum Beispiel mit dem NRW-Finanzministerium. „Das zeigt doch, dass die Landesregierung involviert ist – was vorher immer verschwiegen wurde.“

Den Schuh, sich bis dato gar nicht für die Werke interessiert zu haben, mag sich Isabel Pfeiffer- Poensgen auch nicht anziehen – im Gegenteil: „Bei den Führungen in der ‚Nacht der Museen‘ waren die Kunstwerke im Spielcasino immer eine große Attraktion. Sie wurden auch sehr geschützt präsentiert. Es war dann auch gar nicht davon auszugehen, dass sie entfernt wurden.“ Außerdem: Noch heute finde sich auf der Homepage des Aachener Casinos ein stolzer Hinweis auf seine rund 100 Werke umfassende Sammlung moderner Kunst. Die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder plädiert weiter für die Führung einer Grundsatzdebatte: „Wie geht ein Land mit der Kunst um? Das muss öffentlich diskutiert werden.“ Von ihrer Position weicht sie auch nach der Konfrontation mit Reiner Priggens Argumenten nicht ab: „Warhols Bilder wurden mit öffentlichen Mitteln erworben. Sie dürfen nicht verkauft werden.“

26 Museumschefs in NRW, darunter auch Brigitte Franzen vom Aachener Ludwig Forum, hatten kürzlich in einem „Brandbrief“ vor dem Verkauf der Bilder gewarnt.

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