Walzerseligkeit und französisches Flair beim Neujahrskonzert

Von: Sabine Rother
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Viel Charme auf der Eurogress-Bühne: die Mezzosopranistin Joëlle Charlier beim Neujahrskonzert des Aachener Sinfonieorchesters. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Mit einem facettenreichen Programm legte das Sinfonieorchester Aachen unter Generalmusikdirektor Kazem Abdullah beim Neujahrskonzert im Euro- gress Aachen einen großen Klangteppich aus, auf dem sich die Zuschauer im vollbesetzten Saal wohl fühlen durften. „Vive la France!” lautete das Motto, wobei Abdullah das nicht so eng sah.

„An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß (Sohn) und der Radetzky-Marsch von Johann Strauß (Vater) als üppige Zugaben gehören für ihn zur Tradition beim Start in ein neues Jahr. Das Publikum sieht das auch so, genießt die sanfte Walzereleganz, und beim zackig militärischen Rhythmus klatsch man begeistert mit – vom nochmals aufrauschenden „Cancan“ ganz zu schweigen.

Funkelnd und hinreißend: Jacques Offenbachs Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt”. Schön, dass Abdullah seine Musiker nicht nur zu temperamentvollen Ensembles ermutigt, sondern gleichfalls den feinen Miniaturen Raum gibt, der Wehmut einer Klarinette oder der Süße im Orpheus-Motiv, das die Erste Violine interpretiert. Offenbach („Ein echter Rheinländer”, wie der Generalmusikdirektor in seiner Moderation betont) ist ein wenig der rote Faden im Konzert, in dem aber auch immer wieder Melodien von Vater und Sohn Strauß aufklingen. Deren „Karneval in Paris” und Chansonetten-Quadrille op. 259 versetzen das Publikum in die plüschige Atmosphäre eines Paiser Vergnügungslokals.

Joëlle Charlier und die Piaf

Charme bringt Mezzosopranistin Joëlle Charlier auf die Bühne. Das „Ja“ zum neuen Jahr klingt im warm und innig interpretierten „Yes“ aus dem gleichnamigen Werk von Maurice Yvain auf, der als Nachfolger Offenbachs gilt und in den 1920er und 1930er Jahren Erfolge feiern konnte. Frech und berauscht darf es dann bei „La Grisèrie“ werden. Im zweiten Teil erinnert die Sängerin mit drei Chansons der legendären Edith Piaf sehr gegenwärtig an das Motto und sorgt so für eine weitere Farbe im Klangteppich.

Mit „La Valse“ von Maurice Ravel widmet sich das Sinfonieorchester zudem den düsteren, schweren Stunden – nach den fröhlich und gemütlich dahin galoppierenden Motiven der bisher gespielten Stücke für einige Zuschauer ein unerwartetes Wechselbad. Geheimnisvoll – so entwickelt Abdullah das hintergründige Werk, das sich bis zur Euphorie steigert, ein in seinen Brechungen, den so unterschiedlichen auf- und abbrechenden Motiven großartig interpretiertes Tongemälde, das Ravel 1920 als dramatische „Geburt des Walzers“ komponiert hat.

Sanft führt „L’Arlésienne” von George Bizet in den zweiten Konzertteil. Kraftvoll wird Ravels „Bolero” zum Schlusspunkt, ein spannungsreiches Werk, das umso mehr fasziniert, wenn man zuschauen kann, wie konzentriert die Musiker in den jeweiligen Instrumentengruppen dessen Magie entwickeln. Viel Applaus, umfangreiche Zugaben: ein gelungener musikalischer Start 2015.

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