„Von Raum zu Raum”: Andreas Thein zeigt Fotografien bei Kunst in NRW

Von: js
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„Fremdenzimmer” - zum Beispi
„Fremdenzimmer” - zum Beispiel im Kölner Zoo: Andreas Thein präsentiert seine Fotografien in Aachen-Kornelimünster. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Er ist nachts durch die Straßen gezogen und hat durch Wohnzimmerfenster gestarrt, er hat Gefängnisse und Polizeiwachen besucht und ist quer durch Deutschland gefahren, um Kirchen vom Glockenturm bis zum Keller zu durchstöbern.

Der Fotograf Andreas Thein ist ein vorsichtiger Eindringling, der einmalige Einblicke gewährt. In Innenräume, auf Innenleben. „Von Raum zu Raum” nennt der 43-Jährige vieldeutig seine Ausstellung in der Sammlung Kunst aus NRW. Beim Rundgang durch die barocken Räume im Erdgeschoss der ehemaligen Reichsabtei in Aachen-Kornelimünster stechen die rund 40 Farbfotografien an den weißen Wänden zwischen Stuck und Golddekor besonders klar hervor: streng, nüchtern, karg.

Drei verschiedene Serien stellt der Künstler vor, aber immer ist sein Blick durch die Planfilmkamera im rechten Winkel auf das Objekt gerichtet, das im Maßstab 1:1 abgebildet wird. Immer bilden dessen Grenzen den inneren Rahmen der Fotografien und verweisen so auf Konzentrationsfähigkeit und Beschränkung des Mediums selbst.

Bei der Serie „Eigenheim”, 2001 seine Abschlussarbeit an der Folkwang-Schule, schaut Thein durchs Fenster in ein Wohnzimmer mit braun glänzendem Schrankwandungetüm. Und er arbeitet sich weiter in die Intimsphäre vor, öffnet Türen, lugt in Regale und Schubladen, zeigt Ordnungssysteme des Alltags: etwa sauber aufgereihte Kristallgläser oder blank polierte Porzellanpferdchen. Das mag bieder und spießig wirken, für manche den Mief der 60er und 70er Jahre atmen. Aber Thein will nicht bloßstellen. „Ich dokumentiere”, sagt der gebürtige Kasseler. Lebensräume, deren Bewohner abwesend sind. Warum er nicht Menschen zeigt? „Meine Arbeiten sagen mehr als jedes Porträt”, findet Thein.

Vom Privaten zum Öffentlichen weisen seine „Fremdenzimmer”: etwa eine kahle Besucherzelle im Gefängnis oder ein Affenhaus im Zoo - ebenfalls ohne Lebewesen. „Künstlich inszenierte Natur”, erklärt der Fotograf.

Sind seine Bilder nicht auch eher Inszenierung als Dokumentation? „Das lasse ich offen”, sagt Thein. Wie kleine Guckkastenbühnen mit Vorhängen öffnen sich jedenfalls die Tabernakel den Blicken: leer, ohne Inhalt, ohne geweihte Hostien. Sie sind Teil der Serie „Sakraler Raum”, die mit den Begriffen heilig und profan, ab- und anwesend spielt. Theins Bilder wirken wie Leerstellen, aber angefüllt sind sie mit Lebensspuren und Reflexionspotenzial.

Die Ausstellung „Von Raum zu Raum” ist bis Sonntag, 11. November, in der ehemaligen Reichsabtei in Aachen-Kornelimünster, Abteigarten 6, zu sehen. Sie wird am morgigen Samstag um 16 Uhr eröffnet.

Geöffnet: dienstags und mittwochs 10 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, samstags 15 bis 18 Uhr, sonntags 12 bis 18 Uhr. Info: Telefon 02408/6492.

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