Aachen - Von Katzen, die Walzer tanzen

Von Katzen, die Walzer tanzen

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
Das Spiel kann beginnen: Musik
Das Spiel kann beginnen: Musikhochschule und Theater inszenieren Ravels Oper „Lenfant et les Sortilèges”. Foto: Marie-Luise Manthei

Aachen. Es sind die wilden 20er Jahre, in die das Theater Aachen und die Hochschule für Musik und Tanz (HfMT) in ihrer traditionellen Gemeinschaftsproduktion zum Ende der Spielzeit entführen.

Maurice Ravels Oper „Lenfant et les Sortilèges” (Das Kind und der Zauberspuk) und Musikstück „Le Boeuf sur le toit” (Der Ochse auf dem Dach) von Darius Milhaud sind musikalische Schmuckstücke, die in dieser Zeit entstanden sind.

Auf jeden Fall „zauberhaft”

„Zauberhaft” soll das Ereignis auf jeden Fall werden, verspricht Aachens Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck, der hier als Dramaturg fungiert. Doch ganz so märchenhaft-verspielt, wie sie meist aufgeführt wird, soll Ravels Oper in Aachen nicht auf die Bühne kommen, erläutert Regisseur Sebastian Jacobs, der in Aachen bereits Henzes „Pollicino” inszeniert hat.

Ravel und Milhaud haben sich damals ihre Anregungen in anrüchigen Kneipen, bunten Varietés und durch schillernde Persönlichkeiten gewannen. Im Mittelpunkt von Milhauds Werk steht das damals berühmte Künstlerlokal „Le Boeuf sur le toit”, das als Restaurant bheute Kultstatus in Paris genießt. Die Pariser Halbwelt mit ihren obskuren Gestalten spiegelt sich in diesem Stück wider, mit „tollen Anklängen an Barock bis hin zu Swing, Tango oder Ragtime”, begeistert sich Jacobs.

Nach Milhauds rasant-kurzem Musikstück soll Ravels „Kind und der Zauberspuk” glänzen. Librettistin war die berühmte, damals skandalumwitterte Colette. Das Mädchen Claudette in diesem Zauberspuk ist aufsässig und wird von seiner Mama allein im Zimmer zurückgelassen. Wo es aus unbändiger Wut alle Möbel und Spielzeuge zerschlägt. Doch da werden das demontierte Mobiliar, die Tierfiguren und Spielsachen plötzlich lebendig und können sogar sprechen. Ein heißer Kampf beginnt.

Natürlich geht alles gut aus, und da die kleine Oper ursprünglich ein Ballett werden sollte, gibt es Walzer tanzende Katzen und Sessel, die zum Menuett schreiten (Choreographie: Flavia Tabarrini). Tiere und Gegenstände werden höchst lebendig „orchestriert”, Holz- und Blechbläser, Harfe, Klavier, Windmaschine und vor allem der Gesang machen das Stück zu einer zuweilen unheimlichen „lyrischen Fantasie”, die „wahnsinnig farben- und temporeich” ist, so Regisseur Jacobs.

„Über 20 Mitwirkende, alles Studierende der Hochschule, haben hier Gelegenheit, in ganz viele Rollen zu schlüpfen und Erfahrungen zu sammeln”, sagt Prof. Herbert Görtz, musikalischer Leiter der Produktion und geschäftsführender Direktor der Musikhochschule in Aachen. Wobei das Orchester mit 60 Musikern ein wahres „Luxusproblem” hat: „Es passt nicht in den Graben.” Einige Nachwuchsmusiker müssen wohl auf der Bühne Platz nehmen.

Weitere Termine, Tickets und Infos

Die Musikhochschul-Produktionder Ravel-Oper „Lenfant et les Sortilèges”, ergänzt von Darius Milhauds „Le Boeuf sur le toit”, feiert Premiere am Samstag, 16. Juni, um 19.30 Uhr im Theater Aachen. Weitere Termine am 26. Juni sowie am 3. und 9. Juli.

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