Von der Müllkippe auf den Sockel des Musentempels

Von: eho
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Aachen. Eine Epoche hat ihr Ende gefunden: Während bis in die 90er Jahre hinein Köln und überhaupt das Rheinland ein weltweit bedeutendes Zentrum des Kunstschaffens war, ist die Szene zugunsten Berlins weitgehend ausgeblutet.

Michaela Eichwald, 1967 in Gummersbach geboren, die lange Zeit in Köln gearbeitet hat, gehört zu den letzten, die sich dem großen Strom der Kreativen nach Berlin jetzt auch angeschlossen hat. Der Neue Aachener Kunstverein, namentlich Ausstellungsleiterin Melanie Bono, konfrontiert Michaela Eichwald mit einer amerikanischen Kollegin, die in Los Angeles in die Kunstszene der Stadt eingebunden ist und sich dort intensiv mit Konzeptkunst auseinandersetzt: Meg Cranston.

Auf der Grundlage der Farbtheorie schafft die Kalifornierin nach systematischen Gesichtspunkten Videoprojektionen und „Maschinen”, die auf eigentümliche Weise in Bezug gesetzt werden zum realen Leben: Der Betrachter kann sich im Angesicht von Monitoren gedanklich etwas vornehmen - die Maschine gibt mit den Antworten „Ja” oder „Nein” die Entscheidung vor. Der Glaube an eine Systematik wird zur Schicksals-frage...

Ein Video-„Spiel” mit Komplementärfarben „klingt” in der Begleitmusik wie nach Zufallstönen von John Cage.

Auf der Müllkippe findet Michaele Eichwald die unscheinbaren Objekte ihrer Begierde: Münzröhren, Plastikbecher, Steckmoos. Mit Polyesterharz formt sie daraus Skulpturen und versieht sie mit bedeutungsvollen, zum Teil ironischen Titeln. Der Plastikbecher wird so zum „Ersten Preis”.

Die edle Inszenierung der Skulpturen mit Sockeln und effektvoller Bedeutung simuliert eine Museumssituation. Wann wird Gestaltetes zur Kunst? Wann bekommt „etwas” eine Bedeutung? Welche Rolle spielt der Künstler bei seinem Eingriff? Das sind die Fragen, die die experimentierfreudige Neu-Berlinerin umtreiben.

Eröffnung im Neuen Aachener Kunstverein, Passstraße 29, Aachen: heute um 20 Uhr. Gespräch mit den beiden Künstlerinnen und Melanie Bono bereits um 19 Uhr. Dauer: bis 17. Mai. Geöffnet: Di.-So. 14-18 Uhr.

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