Von der Moritat zur Burleske

Von: Grit Schorn
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Ironische Umsetzung: Mona Creutzer und Marin Päthel in „Die Räuber” nach Schiller bei der Premiere im Aachener Theater K. Foto: Ludwig Moll

Aachen. Schillers Sturm-und-Drang-Schauspiel „Die Räuber”, 1782 in Mannheim uraufgeführt, eröffnet bis heute viel Spielraum für Ideen und Assoziationen jedweder Art. Das Bruderdrama von Franz Moor, der intriganten „Kanaille”, und dem zunächst edlen Studenten Karl Moor, der - vom Vater enterbt - später eine marodierende Räuberbande anführt, führt allerdings auch viel gruftiges Pathos im theatralen Gepäck.

So ist es kein Wunder, dass Regisseur Wolfgang Franßen manch Schiller-Schwulst in burleske Szenen bis zur Schmerzgrenze umsetzt. Die durchweg guten Schauspieler zeigen sich als Wandertruppe, die das Räuber-Melodram im deftigen Commedia dell´arte-Stil temporeich und voller Übertreibung mit Scherzen und lustigen Einfällen auf eine improvisierte Bühne bringen soll. Doch das Spiel im Spiel birgt einige Tücken.

Leider wird der Bühnenraum stark verkleinert und verengt, und die munteren Mimen hüpfen alsbald eher nervend denn unterhaltend herum. Die ersten 20 Minuten sind noch viel versprechend - auch durch die durchweg tolle Musik und durch so großartige Akteure wie Martin Päthel als hinterhältiger Franz oder Jochen Deuticke als alter Vater mit brüchiger Minetti-Stimme. Doch irgendwann geht der burlesken Moritat die Luft aus.

Auch Mona Creutzer als treu liebende Amalia darf nur noch chargieren, während Christian Cadenbach seinen Räuberhauptmann wider Willen wenigstens mit tragikomischen Schattierungen ausstattet. Stephan Wurfbaum macht Freude als abtrünniger Spiegelberg, der den armen Karl verrät. In weiteren Rollen: Janine Balduin, Ismael Hawramy, Meike Misia und Anna Scholten als Banden-Mitglieder.

Was denn so alles aus einer netten Studentenverbindung werden kann: Mordbrenner und Gewalttäter. Doch das ist in Franßens Klamotte nicht mehr die Frage. Der talentierte Regisseur, der sonst in innovativ inszenierten Stücken mit überwältigenden Bilderwelten und subtiler Tragikomik aufwartete, wirkt hier „Lost in Adaption” und in Albernheiten.

Dennoch starker Applaus vom Stammpublikum und noch ein Trost: Schiller selbst mochte später sein Melodram nicht mehr: „Die Räuber” seien eigentlich „kein Theaterstück. Nehme ich das Schießen, Sengen, Brennen, Stechen hinweg, so ist es für die Bühne ermüdend und schwer.”

„Die Räuber” nach Friedrich Schiller, Theater K, Ludwigsallee 139, Aachen. Weitere Vorstellungen am 19. und 26. September, 20 Uhr; 27. September um 18 Uhr. Info und Karten: Telefon: 0241/151155.


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