Von der kleinen Lotta bis zum coolen Beatboxer

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
starterbild
Die Organisatorinnen: (von links) Susanne Ladwein (Regio Aachen) sowie die Projektleiterinnen Marianne Lohmer und Sigrid Kerinnis (Kultur im Westen e.V.). Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Ich bin da! Hurra!” sagt das hässliche Entlein, und wo könnte es besser das Licht seiner märchenhaften Welt erblicken, als bei „Theater Starter”, dem Projekt der regionalen Kulturpolitik des Landes Nordrhein Westfalen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien, das jetzt in die bereits siebte Spielzeit geht.

Den Auftakt gestaltet am 24. und 25. August das Masken-Beatbox-Theater aus Berlin im Ludwig Forum mit „Klasse Klasse”, einem Stück, das in den Mikrokosmos Schule eintaucht und vom coolen Leitwolf bis zur arroganten Zicke alle möglichen Typen und Themen aufgreift.

Zum Team gehört übrigens Mando, der Deutsche Meister im Beatboxen, der Kunst, Töne und Rhythmen mit dem Mund zu produzieren, eines der wichtigsten Elemente beim HipHop.

„Wir sind inzwischen ein Vorzeigeprojekt im Bereich Kinder- und Jugendtheater von NRW”, sagt Susanne Ladwein, Leiterin des Büros für Kulturkoordination bei der Regio in Aachen.

Die Trägerschaft von „Theater Starter” hat der Verein „Kultur im Westen” übernommen, wobei die Projektleitung (wie bisher) in den Händen von Sigrid Kerinnis und Marianne Lohmer liegt.

„Man muss die erfolgreichen Projekte irgendwann in die Selbstständigkeit entlassen”, betont Susanne Ladwein, die aber weiterhin Unterstützungsarbeit leistet - unter anderem bei der Beantragung von Zuschüssen und bei Vertragsangelegenheiten. Die beteiligten Städte binden sich für jeweils zwei Jahre, damit die Kontinuität der Arbeit und der Zuschüsse in den Kommunen gewährleistet ist.

184.500 Euro kostet die Veranstaltungsreihe, die sich an Kinder und junge Leute im Alter von zwei bis 17 Jahren wendet. 116.700 Euro beträgt der Landeszuschuss, den Rest erbringen die zwölf Mitgliedsstädte - unter anderem durch Eintrittsgelder.

Dem Leitgedanken „Jedem Kind ein Theaterbesuch in der Region” sowie dem Wunsch einer stärkeren Vernetzung innerhalb der Jugendtheaterszene fühlen sich die Organisatorinnen mit unvermindertem Elan verpflichtet.

Erneut sind sie kreuz und quer durch Deutschland gereist, haben Jugendtheater-Börsen und Festivals besucht, um qualitätvolle Produktionen zu entdecken. Viele Kinder- und Jugendtheater bewerben sich inzwischen selbst bei „Theater Starter”, denn es gilt längst als Qualitätsmerkmal, wenn man hier gebucht wird. Wie wählen Sigrid Kerinnis und Marianne Lohmer aus?

Das Alter ist wichtig

„Wir spüren sofort, wenn uns etwas fasziniert, da sind wir wie die Kinder”, versichern beide, „Es ist ein Gefühl, das sich schon nach zehn Minuten einstellt.” Verstärkt setzen die Theatermacher auf die Nähe zum jugendlichen Zuschauer.

Wichtig bei der Entscheidung über einen Theaterbesuch ist die Altersstruktur. „Ein Stück für Achtjährige ist nicht unbedingt für Fünfjährige geeignet, darauf sollten Eltern achten”, rät Marianne Lohmer.

Für „Theater Starter 2009/2010” haben beide wieder besondere Entdeckungen eingeladen. Da ist zum Beispiel „Lotta zieht um” nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Astrid Lindgren mit reizvoller Optik - mal sind die Figuren klein und bewegen sich im Puppenhaus, dann rücken sie plötzlich nah heran, denn „draußen”, also auf der realen Bühne, sind sie ganz groß. Poesie und Fantasie sind wichtige Faktoren bei der Auswahl der Stücke.

Da reicht es zum Beispiel aus, wenn sich die Darstellerin die Haare anders steckt, und schon wird aus der Fee eine Prinzessin. Noch einen Schritt weiter geht das Theater Marabu, das für seine Produktion „Ein Schaf fürs Leben” sogar den Theaterpreis der Staatskanzlei NRW erhalten hat.

Das Besondere: Die Kinder im Alter ab sechs Jahre erleben ein „Hörspiel zum Sehen”, Bilder werden mit Hilfe von Geräuschen und Erzählungen in den Köpfen der jungen Zuschauer geweckt. Manchmal agieren sogar die Kinder mutig auf der Bühne, denn es gibt Theater, die ihre Zuschauer nachspielen lassen, was sie gesehen haben.

Was im Amtsdeutsch als „kulturelle Schlüsselkompetenz” zu den Zielen von Kinder- und Jugendtheater gehört, wird bei „Theater Starter” mit jeder Aufführung umgesetzt. Allein schon die Tatsache, Kinder in einer von Reizen überfluteten Welt dazu zu bringen, eine Weile zuzuhören und eine Geschichte zu verfolgen, gilt als Erfolg.

„Theater regt zur Kreativität an, es fördert aber auch Ausdruck und Sprache der Kinder”, so Marianne Lohmer. Neben den Geschichten für die Jüngsten widmet man sich konzentriert den Jugendlichen. Was spielt sich in der Clique ab? Warum sind Mutproben nicht nur dumm, sondern auch lebensgefährlich - etwa dann, wenn Steine auf die Autobahn geworfen werden („Stones”, Theater Priessenthal)? Bei 97 Aufführungen haben rund 15.000 Zuschauer die Gelegenheit, am Abenteuer „Theater Starter” teilzunehmen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert