Von Carla Bruni bis Afghanistan: Michel Comtes Fotos in Düsseldorf

Von: Antje Lorscheider, dpa
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Michel Comte Ausstellung
Bilder des in Zürich geborenen Fotografen Michel Comte von Carla Bruni (r.) in Düsseldorf im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft. Die Ausstellung "Michel Comte - 360®" zeigt vom Arbeiten des Porträt-Mode- und Reportagefotografen. Foto: dpa

Düsseldorf. „Zieh Dich aus!”: Diese unvermittelte Aufforderung des Star- und Modefotografen Michel Lecomte soll den US- Schauspieler Sylvester Stallone - kaum dass er zum Shooting erschienen war - erschüttert haben.

Aktfotos seien in Amerika eine zumindest „schwierige”, wenn nicht gar unmögliche Angelegenheit, kommentiert Werner Lippert, Ausstellungsmanager des NRW-Forums in Düsseldorf die Bild-Anekdote.

Das ist von Sonntag an bis zum 10. Mai zusammen mit rund 300 weiteren Arbeiten des gebürtigen Schweizers Comte (54) zu sehen: Ein, nicht mal bis zum Bauchnabel sichtbarer, auf dem Rücken liegender Stallone, der die Hände wie beschwörend verschränkt und sich „unsichtbar” gemacht hat - mit roten Rosenblättern, die seinen Blick verstecken.

Aktfotos, mehrheitlich von Frauen, sind in der Schau, die neben den Mode- und Promi-Fotos Comtes auch dessen engagierte Foto- Reportagen aus Krisengebieten weltweit präsentiert, zahlreich vertreten. Das von Carla Bruni ist im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Es gilt aufgrund des Protestes der Ehefrau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gegen seine Verbreitung auf einer Einkaufstasche mittlerweile als skandalträchtiges Foto.

Entstanden ist es 1993 im Zuge einer Aufklärungskampagne gegen AIDS. Als Aufforderung für „Sicheren Sex” steht Bruni, ehemaliges Top- Model, mit streng zurückgekämmten Haar da. Ihre Scham schützt sie mit den Händen - eine abwehrende Geste, deren Appellcharakter durch Pose und Mimik allerdings zunichtegemacht wird.

Bruni, ist eine von unzähligen Models, Stars und Künstlern vom Schauspieler bis zum Musiker, mit denen Comte im Laufe der vergangenen 30 Jahre gearbeitet hat. Da ist Claudia Schiffer, die als Vamp im schwarzen Spitzenkleid wie hingegossen auf einem Kanapee ebenso wie von europäischen Filmstars von Sophia Loren bis Isabella Rossellini oder Musikern wie Iggy Pop, der seinem rotzigen Image mit einem Griff in seinen Hosenstall gerecht wird.

Von Comtes Herangehensweise heißt es, er plane keine Inszenierungen. Seine Aufnahmen seien „Resultat eines Zwiegesprächs”, die aufgrund ihrer Nähe „Einblick in die Seele” des Porträtierten gäben. Sichtbar wird dieses überschwängliche Lob in Aufnahmen derer, die es verstehen sich selbst Raum und Ausstrahlung zu verschaffen.

So wie die betagte Bildhauerin Louise Bourgeois, deren Lachen unter unzähligen Falten ansteckend ist oder wie die französische Schauspielerin Catherine Deneuve, deren „Sex-Appeal” keine Hilfestellung durch Daumen lutschen oder Kirschen essen bedarf.

Einen separaten Bereich nehmen in der Schau Comtes der Geschwindigkeit durch Unschärfe huldigende Fotografien von der Formel 1 ein: Im Mittelpunkt Michael Schumacher, um ihn herum Rennstrecken voller Bremsspuren, Reifenwechsel beim Boxenstopp und der ferrari- rote Bolide.

Zu sehen sind auch einige Reportagefotos, die Comte parallel zu seiner Auftragsarbeit macht: Männer, Frauen und Kinder in Abchasien, die ihre Krücken und Prothesen präsentieren, „Kämpfer” im zerschossenen Afghanistan und die Menschen im von China unterdrückten Tibet.
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