Von beeindruckender Intensität: „Kassandra” im Theater K

Von: Grit Schorn
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Mit düsterer Intensität: Petra
Mit düsterer Intensität: Petra Zwingmann als „Kassandra” nach Christa Wolfs Erzählung im Theater K. Foto: Guido Goetzenich

Aachen. „Du sprichst die Wahrheit, aber niemand wird dir glauben!” So lautet der Fluch des Gottes Apoll, der Kassandra be- strafen will, weil sie sich ihm verweigert.

Eine mythologische Figur zwischen allen Fronten ist Kassandra, die Priesterin und „Prophetin des Untergangs”, bereits bei Homer und Aischylos, die Schriftstellerin Christa Wolf machte 1983 in ihrer Erzählung aus der stolzen Tochter des Königs von Troja eine emanzipatorische Friedenskämpferin. Auch im Aachener Theater K steht nicht die Sehergabe Kassandras im Vordergrund, sondern ihr Verstand, ihre Menschlichkeit und Anteilnahme. Sie sieht, wie Troja den Krieg vorbereitet und dem Feind, den griechischen Eroberern, immer ähnlicher wird. Sie spricht die Wahrheit aus - niemand glaubt ihr.

Als das Stück einsetzt, ist die Außenseiterin längst die Beute von Agamemnon. Der lange Krieg zwischen Troja und Griechenland ist zu Ende und hat unendliche viele Opfer gefordert. Petra Zwingmann überzeugt vom ersten Moment als tragische „Kriegsgefangene”, die ihr Tun und das der anderen kritisch hinterfragt. Aber auch Witz und Ironie, Begehren und Verzweiflung speisen den für die Bühne gestrafften Monolog.

Auf der Bühne dominiert der dreigeteilte Holzblock, auf dem Kassandra hockt: Wagen, Zelle und „Trojanisches Pferd” zugleich. In ihren besten Minuten hat Petra Zwingmann etwas von der düsteren Intensität einer Martina Gedeck. Kleine Versprecher stören nicht weiter, und wenn sie Priamos, Kassandras Vater, oder andere Männer rezitiert, wird die männliche „Übermacht”, die Christa Wolf anprangert, fühlbar und greifbar.

Die straffe Inszenierung des jungen Regisseurs Victor-Joe Zametzer schafft eine spannungsgeladene Atmosphäre, 80 Minuten lang. Beeindruckend auch die digitale Projektionswand, die Zwingmann selbst beeinflussen und verändern kann. Wolfs starker Text zwischen Antike und Moderne trägt diesen Abend. Mythologische Gestalten wie Achill, Agamemnon und Klytämnestra, die schöne Helena, Äneas und Hector werden zu Zeitzeugen von Verblendung und unvorstellbaren Bluttaten. Oftmals Täter und Opfer zugleich, stehen sie für den Wahnsinn eines Krieges, den man hätte verhindern können.

Viel verdienter Applaus, auch etliche ratlose Gesichter ob solch sprachlicher Wucht und kluger Einlassungen.

„Kassandra” nach Christa Wolfs Erzählung ist noch am 10., 11., 12., 15., 17., 18. und 19. September im Aachener Theater K in der Bastei, Ludwigsallee 139, zu sehen. Beginn jeweils 20 Uhr.
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