Monschau - Vom Rock-Klassiker zur opulenten Oper

Vom Rock-Klassiker zur opulenten Oper

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Großes und buntes Spektakel: Giuseppe Verdis Monumentalwerk „Aida“ wird auf der Bühne der Burg Monschau gefeiert. Das Ensemble aus Bulgarien sorgt für eine mitreißende Interpretation. Foto: Peter Stollenwerk
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Schlicht mit schwarzem Hut: Manfred Mann mit seinem Umhänge-Keyboard. Foto: Peter Stollenwerk

Monschau. Der Rock der 1970er Jahren ist nicht kleinzukriegen, und er ist für viele immer noch das Beste, was die Popmusik des letzten halben Jahrhunderts zu bieten hatte. Auch bei der 17. Auflage der Festspiele auf der Burg Monschau lebt diese Zeit wieder auf.

Am Sonntagabend ließ Chris Norman den unverwechselbaren Smokie-Softpop aufleben, am Freitagabend zur Eröffnung ging es eine Spur härter zu. Mit Manfred Mann‘s Earth eroberte ein Großer der Rockmusik die Burg. Die Veranstalter sind längst von ihrem Konzept, das Programm ausschließlich mit Opern und Operetten zu bestücken, abgerückt. Rock, Folk und Jazz haben sich bei den Festspielen durchgesetzt.

Die 1150 Besucher im Burghof tauchten also mit Manfred Mann ein in die gute alte Zeit der Rockmusik. Doch zunächst mied die Band um ihren inzwischen 75-jährigen Gründer das bekannte Liedgut, sondern zeigte, wie in den 1970er Jahren Rockmusik gemacht und gedacht wurde: Lange Phasen der musikalischen Entfaltung, mitunter leicht sphärisch und experimentell angehaucht, wechselten sich ab mit ausgedehnten solistischen Einlagen, wobei Manfred Mann mit seinem ausgeprägten und satten Keyboard-Spiel ebenso mitriss, wie Gitarrist Mick Rogers, gleichfalls Gründungsmitglied der Band. Konzeptionell statt kommerziell, lautet die Devise bei Manfred Mann.

Der Meister selbst verschwendete kein Wort an das Publikum, schlich unter seinem immerwährenden schwarzen Hut hinter sein Tasten-Imperium, und trat allenfalls gelegentlich mit seinem Umhänge-Keyboard in die erste Reihe.

Weltbekannte Hits können durchaus musikalisch wertvoll sein. Das zeigte sich am Ende des Konzertes als die Earth Band das gesamte Repertoire der frühen Jahre auspackte. Bei Hit-Klassikern wie Road Jack, Fox on the Run, Blinded by the Light oder einer ausgedehnten Zugaben-Version von Mighty Quinn hielt es die Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen. Auch wenn die Ohrwürmer gegenüber den leichtfüßigen Original-Versionen zum Teil kräftig abgewandelt wurden, feierte das Publikum voller Inbrunst die legendäre Band, die nichts von ihrer Ausstrahlung eingebüßt hat und auch musikalisch nach wie vor einen Spitzenplatz behauptet.

Mit einem Kontrastprogramm wurden die Festspiele am Samstagabend fortgesetzt. Vor ebenfalls ausverkauftem Haus erlebte das Opernpublikum eine optisch wie musikalisch aufwendige fast dreistündige Inszenierung von „Aida“ mit über 100 Mitwirkenden in Chor und Orchester. Das 1871 in der Oper Kairo uraufgeführte Monumentalwerk von Giuseppe Verdi ist auch heute noch ein überaus bühnenwirksames Spektakel.

Dass die Zuschauer in Monschau ihren Gefallen daran hatten, ist auch ein Verdienst der Venezia Festival Opera unter der künstlerischen Gesamtleitung von Andrey Andreev.

Das Ensemble ist hervorgegangen aus den Plovdiver Philharmonikern. Beim 17. Klassik-Festival in Monschau hat die Truppe aus Bulgarien bereits ihren festen Platz und sorgte einmal mehr für eine mitreißende und routinierte Darbietung.

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