Vom Experiment zum Markenzeichen: „Schrittmacher”

Von: Sarah Siemons
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Als er vor 15 Jahren das Tanzfestival „Schrittmacher” aus der Taufe hob, hätte er es sich wohl nicht träumen lassen, dass 2010 sogar eine Susanne Linke Termine in New York absagen würde, um dabei zu sein: Rick Takvorian, heute Veranstaltungsmanager der Stadt Aachen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Als das Tanzfestival „Schrittmacher” 1993 von Rick Takvorian aus der Wiege gehoben wurde, hatte der heutige Leiter des Veranstaltungsmanagements der Stadt Aachen nur eines im Sinn: die Kulturszene in Aachen um Tanz „und Tanzartiges” zu erweitern. Dass sich aus der kleinen und überaus experimentellen Veranstaltungsreihe ein namhaftes und internationales Festival entwickelt würde, daran dachte Takvorian noch nicht.

Doch heute - 15 Jahre später - zeigt „Schrittmacher” exklusive Inszenierungen mit 22 Vorstellungen, acht Kompanien und der Solistin Susanne Linke an insgesamt vier Spielstätten. Dabei wagt Aachen den Schritt über die Grenze und kooperiert mit Heerlen. Wir sprachen mit Rick Takvorian über die erfolgreiche Vergangenheit, die Anfänge und die 15. Auflage des Festivals.

Warum Tanz?

Takvorian: Weil er eine hervorragende Ergänzung zur bildenden Kunst im Ludwig Forum darstellt, und schon war damals der ideale Platz vorgegeben.

Aber ganz so ideal ist die Mulde, in der viele der Vorführungen bisher stattfanden, doch nicht. Zum Beispiel ist die Platzkapazität doch begrenzt.

Takvorian: Ja, deswegen haben wir auch in den letzten Jahren verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, um mehr Plätze zu schaffen , und in diesem Jahr finden auch Veranstaltungen wieder im space´ und im Theater Heerlen statt.

Warum halten Sie dennoch an dem Ludwig Forum als Festivalort fest?

Takvorian: Weil es ein absolut spannender Ort ist, der uns auch Raum zur Improvisation gibt. Bei „Schrittmacher” geht es nicht allein um die Tanzdarbietung. Es geht um das Ganze, die Inszenierung. Da spielen Atmosphäre und Umgebung eine große Rolle und die Zusammenarbeit mit dem Forum ist uns sehr wichtig.

Auch Geld spielt eine wichtige Rolle. Das „September Special” muss gerade schrumpfen, während das Tanzfestival wächst, wie erklären Sie das?

Takvorian: Wir wachsen nicht auf städtische Kosten. Wir haben viele Partner und Kooperationen, zum Beispiel die Stiftung Ludwig. In diesem Jahr bekommen wir zudem noch Interreg-Fördergelder, weil wir Grenzen überschreiten. So können wir zehn Ensembles über einen Monat und an vier Spielstätten in Deutschland und den Niederlanden zeigen.

Wie ist denn die Kooperation mit den Niederländern entstanden?

Takvorian: Mittlerweile hat unser Festival einen international hohen Stellenwert, viele möchten Teilhaben an der Marke „Schrittmacher”. Daher hat es mich sehr gefreut, dass die Heerlener, die auch Tanz in ihrer Stadt etablieren wollen, einen Schritt auf uns zu gemacht haben. Sie bieten uns ein neues Publikum und einen interessanten Veranstaltungsort.

Interessant und praktisch...

Takvorian: Ja, wir bestreiten nicht, dass es logistisch viel einfacher ist, eine Vorstellung im Theater zu zeigen als in einem sensiblen Kunstraum inmitten von Ausstellungsexponaten, aber gerade da ist auch der Reiz, also haben wir uns für die Mischung entschieden.

Das ursprünglich kleine Festival ist mittlerweile zu einer wahren Größe unter Tanz- und Kulturliebhabern geworden, läuft man als Veranstalter da nicht Gefahr, den genannten persönlichen Rahmen aufzugeben oder zu sprengen?

Takvorian: Natürlich, aber diese Gefahr sehe ich erst, wenn wir weitaus größer würden. Noch haben wir uns viel von unserem Ursprung erhalten.

Was hat sich Ihrer Meinung nach dann verändert in 15 Jahren „Schrittmacher”?Takvorian: Unser Wirkungsfeld ist weitaus größer geworden. „Schrittmacher” in Aachen, das hat einen Namen.

Auch bei den Künstlern?

Takvorian: Ja. Auch in diesem Jahr haben wir wieder eine Uraufführung im Programm und eine extra kreierte Choreographie, es ist kein rein eingekauftes Programm, sondern etwas Besonderes, das in der Zusammenarbeit mit den Tänzern entsteht.

Was kann man in der Zusammenarbeit von den Niederländern lernen?

Takvorian: Sie denken viel praktischer als wir, nutzen andere Marketingstrategien. Es war sehr interessant, wie sie an unseren Flyer herangehen. Den haben wir ja zweisprachig gestaltet. Aber auch an Dinge wie die Preisgestaltung gehen sie anders heran.

Und was konnten die Kollegen aus dem Nachbarland von ihrem Team lernen?

Takvorian: Unsere Horizonte sind andere, wir sind tanzorientierter, bringen viel Erfahrung mit.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Takvorian: Auf jede einzelne Vorstellung, jede Kompanie, jede Choreographie.

Was ist denn der Sinn des Festivals?

Takvorian: Zu zeigen, was in der Welt des Tanzes derzeit los ist. Einen Rundumschlag der Tanzszene zu geben. Dass das nicht immer jedem gefallen kann, ist uns klar. Aber wir laufen dem Publikum auch nicht hinterher. Und das hat dann die positive Konsequenz, dass sich unser Publikum ernst genommen fühlt.

Was würden Sie Menschen empfehlen, die bisher noch nichts vom „Schrittmacher”-Festival gesehen haben?

Takvorian: Ich denke, „Contrepied” von der französischen Kompanie Black Blanc Beur wird sicher toll, sie wollen die Mulde in ein Fußballfeld verwandeln. Wer Freude an der Bewegung hat, darf das nicht verpassen. Aber auch die Amerikaner „Hubbard Street 2” sind empfehlenswert. Wer eine wirkliche große Ikone des Tanzes sehen will, sollte sich Susanne Linke ansehen. Sie hat sogar Termine in New York abgesagt, um bei uns persönlich zu tanzen, was sie nur noch selten tut.

Das „Schrittmacher”-Tanzfestival beginnt am Donnerstag, 18. Februar, mit der französischen Kompanie Black Blanc Beur und „Contrepied” um 20.30 Uhr im Aachener Ludwig Forum, Jülicher Straße. Bis Dienstag, 30. März, zeigen renommierte Ensembles aus den Niederlanden, Amerika und Deutschland besondere Inszenierungen in der Mulde, dem „space” und im Theater Heerlen, Burgermeester van Grunsvenplein 145. Karten (16 Euro, ermäßigt 13 Euro). Wer mehr als eine Veranstaltung besuchen möchte, kann für 65 Euro ein 5er- oder für 80 Euro ein 6er- Abo kaufen.
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