Aachen - Vom Drinnen und Draußen: Was Kunst erzählen kann

Vom Drinnen und Draußen: Was Kunst erzählen kann

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Alles fließt: Emma Talbot sprengt mit ihrer Kunst die Grenzen zwischen Zeichnung, Installation und Skulptur. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ben Kaufmann hat seine letzte Ausstellung für den Neuen Aachener Kunstverein (NAK) konzipiert. Und man kann von Glück sagen, dass diese Schau alles andere als traurig stimmt. Denn mit der Londoner Künstlerin Emma Talbot – nicht verwandt und verschwägert mit der Aachener Familie Talbot – hat der scheidende NAK-Leiter einen „rising star“, einen aufgehenden Stern, nach Aachen geholt.

Für ihre Ausstellungsidee hat sich die Britin von den Räumen des NAK inspirieren lassen. Hier gibt es also keine traditionelle Werkschau zu sehen, sondern ganz und gar für Aachen erschaffene Kunst. „Open Thoughts“, offene Gedanken, ist der Titel der Schau, und tatsächlich werden dem Schauen, Denken und Interpretieren hier keine Grenzen gesetzt.

Zehn über und über großflächig bemalte Seidenbahnen hängen von der Decke – in einer Art zeichnerischer Dauerschleife erzählt die Künstlerin darauf vom Drinnen und Draußen des Individuums, von Träumen und Erinnerungen, vom Einzelnen im Kollektiv. Ihre Sprache ist dabei zart und weiblich – ein bisschen Flower-Power, ein bisschen Jugendstil, überbordende Ornamentik und Regenbogenfarben. Alles fließt, jedes Detail scheint vertraut. Und trotzdem tönt hier wenig Frohsinn. Denn Emma Talbots universelle Gedächtniskunst rührt an die großen mythologischen Themen: Geburt, Wachsen und Werden, Beziehungen, Verbindung und Kommunikation, Transformation. „Welche Stimme spricht zu dir“, fragt sie. „Kein Gott, keine Regierung, nur du selbst.“

Hauptperson im Werk der 48-jährigen Emma Talbot ist die Frau – ein zartes, gesichtsloses Eierkopfwesen. Eine Traumfrau? Wohl kaum, denn Talbots Frauen treffen auf durchaus radikale Realitäten. In diesem Sinne will sie auch die fünf dreidimensionalen Frauenfiguren im oberen Stockwerk verstanden wissen. „Es war mir ein Anliegen, meine Zeichnungen in eine physische Form zu bringen“, sagt Talbot, deren Arbeit seit ihren zeichnerischen Anfängen immer komplexer geworden ist. Formen und Material verdichten sich zunehmend.

So sind Skulpturen entstanden, die zeigen sollen, was Frauen sein können. Talbots Transformationen zu Schlange und/oder Vogel zeigen Visionen von Erwachen und Freiheit. Glückwunsch, Emma Talbot hat eine künstlerische Punktlandung hingelegt.

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