Bonn - Vom „Apostel des Hässlichen” zum modernen Klassiker

Vom „Apostel des Hässlichen” zum modernen Klassiker

Von: dapd-nrw
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Max Liebermann - Ausstellung
Max Liebermann gilt als Wegbereiter der Moderne in Deutschland. So lautet auch der Untertitel der Ausstellung mit mehr als 100 Werken aus allen Schaffensphasen, die ab Donnerstag bis zum 11. September 2011 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen ist. Foto: dpa

Bonn. Für ihn gab es bei der Auswahl eines guten Bildmotivs keine großen Unterschiede: „Die gut gemalte Rübe ist ebenso gut wie die gut gemalte Madonna”, lautete das Credo von Max Liebermann (1847-1935).

Sein frühes Interesse, einfache Menschen bei der Arbeit und im Alltag zu zeigen, brachte dem Maler schon mit seinem ersten Hauptwerk „Die Gänserupferinnen” 1872 den Ruf eines „Apostel des Hässlichen” ein.

Erst spätere Betrachter erkannten die Klasse von Liebermanns Arbeiten, die nun in der Bonner Bundeskunsthalle in allen Facetten zu bestaunen sind. Mit dem Untertitel „Wegbereiter der Moderne” versehen, sind von Donnerstag an bis 11. September insgesamt mehr als 100 Ölbilder aus allen Schaffensphasen des Künstlers zu sehen, der zu den führenden Vertretern des deutschen Impressionismus zählt und über sechs Jahrzehnte bis ins hohe Alter aktiv blieb.

Leihgaben aus mehr als zehn Ländern

Mit seinem Lebenswerk hat er so die vielleicht umfangreichste Dokumentation von Veränderungen in der Gesellschaft und in der Kunst im Deutschland der Zeit um 1900 geliefert, wie Bundeskunsthallen-Intendant Robert Fleck feststellt. Von über 50 Museen und Privatsammlern aus mehr als zehn Ländern haben er und sein Kuratorenteam die Leihgaben zusammengetragen. „Dass Liebermanns Werke in der ganzen Welt verbreitet sind, zeigt, was für ein hervorragender Maler er ist”, sagt Fleck.

Chronologisch und in „Themenräume” unterteilt, lässt sich Liebermanns Werk nun in der laut den Angaben umfassendsten Werkschau zu dem Künstler seit über 30 Jahren neu entdecken. Da sind zunächst die detaillierten Momentaufnahmen der Arbeitswelt und des dörflichen Lebens, die Liebermann nach seiner Ausbildung an der Weimarer Kunstschule faszinierten: Weber, Korbflechter, Bauern und die berühmten „Konservenmacherinnen” mühen sich bei ihrem Tagewerk ab.

Momentaufnahmen einer verschwundenen Zeit

Beeinflusst von Vorbildern aus den Niederlanden - seiner zweiten „Malheimat”, in der er 40 Jahre lang nahezu jeden Sommer weilte - interessierte sich Liebermann später für stimmungsvolle Schilderungen in leuchtenden Farben von einsamen Menschen in karger Natur. Zugleich entdeckte er für die Leinwand die bürgerlichen Freizeitvergnügen in Zoos, lauschigen Biergärten oder am Strand der holländischen Küste und schuf so vielschichtige Alltags-Momentaufnahmen aus einer verschwundenen Zeit.

Auch die Prominenz aus Kultur, Wirtschaft und Politik ließ sich von Liebermann gerne porträtieren - und auch hier ging der Künstler neue Wege: Schriftsteller Gerhard Hauptmann, AEG-Gründer Emil Rathenau oder den Industriellen Friedrich-Carl Duisberg platziert er vor neutralen Hintergründen und vermeidet so Hinweise auf sozialen Status oder Beruf.

In seinen späteren Jahren hielt Liebermann, 1920 bis 1933 Leiter der Preußischen Akademie der Künste„, bevorzugt den Garten seiner Villa am Berliner Wannsee in zahlreichen Motiven fest. Der Kauf des Seegrundstücks war für ihn die Erfüllung eines Lebenstraums, und er war stets stolz darauf, das Anwesen mit seiner Kunst finanziert zu haben. ”Diese zehn Finger haben alles ermalt„, sagte er einmal.

Ein Abbild des Gartens ist für die Ausstellung auf der Dachterrasse der Bundeskunsthalle angelegt worden. Mit Panoramablicken auf Petersberg und Drachenfels zitiert er dessen drei wichtigste Elemente Birkenallee, Heckengärten und Stauden. ”Es bot sich an, die Fläche zu nutzen. Wir wollen die Impressionen zeigen, die Liebermann aus der Natur empfangen hat„, sagt Kuratorin Agnieszka Lulinska.
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