Voller gefährlicher Wahrheiten

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„Der Vorname“ im Aachener Grenzlandtheater: mit (von links) Tino Lindenberg als Vincent, Isabella Eva Bartdorff als Elisabeth, genannt Babou, Wolfgang Mondon als Claude und Volker Weidlich als Pierre, Ehemann von „Babou“. Foto: Kerstin Heinrichs-Brandt

Aachen. Die Erfolgskomödie aus Frankreich, die bereits in 15 Ländern gespielt wurde, hat gleich zwei Autoren: Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière sind schon lange ein bewährtes Team von Drehbuchautoren. Ihr erstes gemeinsames Bühnenstück, „Der Vorname“, wurde sogar verfilmt, mit den gleichen Schauspielern, die 2010 in der Uraufführung dabei waren.

Schon der Auftakt zu einem „schönen Abendessen mit Freunden“ erinnert unweigerlich an die fesselnden Stücke von Yasmina Reza, die so elegant das französische Bildungsbürgertum auf die Schippe nimmt („Drei Mal Leben“). Gesucht wird im gediegenen Ambiente von Literaturprofessor Pierre nicht nur nach einem Kellerschlüssel – wegen des Weines –, auch die richtige Stimmung ist beim Ehepaar Garaud noch nicht erreicht.

Gereizter Gatte trifft auf nervöse Gattin „Babou“, die ein köstliches marokkanisches Abendessen anbieten will. Da ist ein Telefonanruf von Babous Mutter FranÇoise nur störend. Und schon trifft der Posaunist Claude, enger Freund aus Kindertagen, ein. Gut, dass nicht nur er, sondern auch Babous Bruder Vincent eintrifft, beide mit Wein als Geschenk. Denn der Kellerschlüssel bleibt erst mal unauffindbar.

Obwohl auf Vincents schwangere Liebste Anna gewartet werden muss, ist die Stimmung heiter. Bis der übermütige Vincent verkündet, dass der erwartete Sohn „Adolphe“ heißen soll. Das klingt den anderen zu sehr nach Hitler, obwohl sich Vincent nicht auf den Massenmörder beruft, sondern auf den romantischen Helden eines Romans von Benjamin Constant. Was zunächst wie ein schlechter Scherz wirkt, wächst sich rasch zu einem wütenden Streitgespräch aus. Überdies findet auch die eintreffende schwangere Anna nichts Besonderes an „Adolphe“ oder Adolf . . .

Feinfühlige Regie

Die feinfühlige wie stringente Regie von Wolfgang Hagemann steigert fast unmerklich den Eklat, der schließlich gefährliche Wahrheiten und Eitelkeiten auf den Tisch bringt. Die fünf Akteure eröffnen –mit Verve und Witz, aber immer glaubhaft – einen Blick in den Abgrund. Die Zuschauer erwartet ein lustvolles Schaudern angesichts der Streitereien, die kaum noch Adolphe oder Adolf gelten, sondern den höchst persönlichen zwischenmenschlichen Beziehungen. Geheimnisse werden aufgedeckt – so auch beim freundlichen Posaunisten Claude, dem Wolfgang Mondon beeindruckend menschliche Züge verleiht.

Und Volker Weidlich als pingeliger Professor Pierre Garaud lässt Eitelkeit, Schwäche und Standesdünkel hübsch zusammenfließen. Ehefrau Babou, die ihr Studium wegen seiner Karriere aufgab, wird von Isabella Eva Bartdorff facettenreich verkörpert – eine Frau zwischen Resignation und Revolution. Köstlich Tino Lindenberg als vergnügter „Aufreger“ Vincent – großartig sein Umbruch in Unglauben und Verstörung, als das „Familiengeheimnis“ am Ende alle betrifft.

Angenehm unaufdringlich spielt Jennifer Lorenz die schwangere Anna. Sehr zu loben sind auch das „französische“ Bühnenbild und die Kostüme, beides in Zusammenarbeit von Arlette Schwanenberg und Gerd Hoffmann entstanden. Das fesselnde Stück zwischen Boulevard und Drama erntete heftigen Applaus des begeisterten Publikums.

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