Aachen - Vögel piepen zu Vivaldis Klängen

Vögel piepen zu Vivaldis Klängen

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
Er geht unbeirrt seinen eigene
Er geht unbeirrt seinen eigenen Weg: Nigel Kennedy mit schönen Geigerinnen im Aachener Eurogress. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Zeiten, in denen Nigel Kennedy mühelos die größten Säle füllen konnte, sind offenbar vorbei. Auch in den Stuhlreihen des Aachener Eurogress klafften große Lücken beim jüngsten Auftritt des wohl charmantesten und liebsten „Enfants terrible” der Musikszene.

Mittlerweile 55 Jahre alt, weigert sich der britische Geiger vehement, erwachsen zu werden, was kein Nachteil sein muss. Hinter der Fassade des sorgfältig gestylten Edelpunks und munter umherhüpfenden Paradiesvogels verbirgt Kennedy seine fabelhaften geigerischen Qualitäten immer verkrampfter.

Zähe Einleitungen

Das zeigt sich auch an seinem Dauerbrenner, Vivaldis „Vier Jahreszeiten”, mit denen er sich in einer respektlos frischen Interpretation vor mehr als 20 Jahren in die Champions League seiner Zunft geigte.

Vivaldis Notentext und stilistische Extravaganzen - wie überdreht langsame oder schnelle Tempi - reichen ihm längst nicht mehr. Mit zähen Einleitungen, blassem Schlagzeug-Geschrumme, Vogelgezwitscher, einem dürftig arrangierten Background-Chor und einer hässlich klingenden elektrischen Geige geraten die vier Violinkonzerte zur Karikatur. Breit gewalzt auf fast 90 Minuten.

Vor der Pause präsentierte Kennedy, zusammen mit dem betont weiblich und attraktiv besetzten „Orchestra of Life”, seine persönliche Antwort auf Vivaldis Ohrwürmer, die „Four Elements”, vier Crossover-Studien, mehr oder weniger geschickt zusammengemixt aus allen möglichen Ingredienzien aus Rock, Jazz und ganz viel Minimalismus.

Besonders die endlosen Wiederholungen seichter Motive dehnten die Stücke in die Breite. Klanglich wurden die hübschen Streicherinnen, mit denen Kennedy ausgiebig flirtete („The best looking orchestra in this fucking world”) angesichts der martialisch dröhnenden elektroakustischen Schlagzeug-, Gitarren- und Keyboardbatterien in eine Statistenrolle gedrängt. Und der Star selbst konnte sich natürlich nur mit entsprechender Verstärkung durchsetzen. Offenbar mit großem Vergnügen.

Fast drei Stunden hielt der offizielle Teil des Programms an, den Zugabenteil nicht eingerechnet. In einem Punkt bleibt sich Kennedy treu: Er geht unbeirrt seine eigenen Wege, wenn auch derzeit mit problematischen Mitteln.
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