Virtuos und lebendig: „Orchestre Les Siècles“ beim Meisterkonzert

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Manches ist anders bei dem „Orchestre Les Siècles“ als bei einem „normalen“ Symphonieorchester. Das Andere betrifft nicht nur vordergründig das legere Outfit der durchweg jungen Musikerinnen und Musiker, sondern vor allem den großen Fundus an historischen Instrumenten, der dem Orchester zur Verfügung steht.

Ein Instrumentarium, das die verschiedenen Epochen der Musikgeschichte vom Barock bis heute abdeckt. So waren denn die Musiker im vierten Meisterkonzert der Saison im Aachener Eurogress mit jeweils zwei verschiedenen Instrumenten auf der Bühne erschienen, mit denen sie die barocken und klassischen Werke von Jean-Philippe Rameau und André Grétry sowie die romantischen von Camille Saint-Saëns und George Bizet abwechselnd in historischem Klanggewand interpretierten.

Dirigent und Gründer François-Xavier Roth hatte ein rein französisches Programm zusammengestellt, wenn man denn den in Lüttich geborenen Grétry ausnimmt, der allerdings die meiste Zeit seines Lebens in Paris verbrachte. Suiten aus Opern von Rameau müssen nicht unbedingt das Publikum hierzulande von den Stühlen reißen. Wenn man sie aber in derart authentischer, lebendiger und perfekter Wiedergabe hört wie von diesem Ensemble, dann ist diese programmatisch motivierte und illustrative Musik aus „Castor et Pollux“ und „Les Indes galantes“ durchaus hörenswert. Ähnliches gilt für die Suite aus Grétrys Oper „Zémire et Azor“, die Roth mit schlankem, vibratolosem Klangbild elegant interpretierte.

Für Frankreichs Vorzeige-Geiger Renaud Capuçon war das 3. Violinkonzert h-Moll von Saint-Saëns die ideale Vorlage, die Süße seines Guarneri-Geigentons und seine exzellente Technik zu demonstrieren. So erklangen die virtuosen Passagen der energischen Ecksätze so brillant wie die Eleganz des Barcarole-Mittelsatzes. Im Verein mit dem aufmerksamen, den Solisten klanglich niemals zudeckenden Orchester gelang eine Aufführung von höchster Qualität.

Zum Schluss dann Bizets C-Dur-Symphonie, ein spät entdeckter Geniestreich des damals 17-jährigen Konservatoriums-Schülers. Roth und seine Musiker boten eine in jedem Detail ausgefeilte, sorgfältig artikulierte, geschliffene und virtuose Aufführung dieses zauberhaften Werkes, die die Vorzüge des historischen Klangs ideal demonstrieren konnte.

Das Klangbild ist weniger brillant als das des modernen Orchesters, dafür transparenter, farbenreicher und ausgewogener und lässt die spezifische Klangfarbe der Bläser deutlicher hervortreten. Der Schwung der schnellen Sätze und die Tonschönheit der Bläser im Adagio machten diese Aufführung zu einem reinen Hörvergnügen. Als Zugabe gab es noch einmal Bizet: Einen Satz aus den „Jeux d‘enfants“.

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