Aachen - Violin-Star Midori beim Meisterkonzert im Eurogress

Violin-Star Midori beim Meisterkonzert im Eurogress

Von: Sabine Rother
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Aufgeschlossen und sozial engagiert: Die japanische Violinvirtuosin Midori GotŌ, die sich als Künstlerin lediglich „Midori“ nennt, ist Solistin beim zweiten Meisterkonzert am 30. November in Aachen. Foto: Agentur

Aachen. Sie ist eine Künstlerin, die soziales und künstlerisches Engagement gleichermaßen ernst nimmt, die als Botschafterin des Friedens für die Vereinten Nationen durch die Welt reist und für die Verständigung im konkreten Miteinander der Menschen die Initiative ergreift.

Die japanische Violinvirtuosin Midori ist am Montag, 30. November, 19.30 Uhr, Solistin beim zweiten Meisterkonzert im Eurogress Aachen. Auf dem Programm, das die Westdeutsche Sinfonia unter der Leitung von Dirk Joeres gestaltet, stehen Felix Mendelssohn-Bartholdys Konzert für Violine und Orchester e-Moll op.

64 sowie Beethovens Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus“ und die Serenade Nr. 1 D-Dur op. 11 von Johannes Brahms. Wir sprachen mit Midori über ihr Leben und ihre Kunst.

Aachen ist die letzte Station einer großen Tour mit der Westdeutschen Sinfonia unter Dirk Joeres. Wie empfinden Sie das Publikum in Österreich und Deutschland?

Midori: Ich bin immer gern in Deutschland und anderen europäischen Ländern aufgetreten, schon als junges Mädchen. Das war eine gute Erfahrung.

Das Mendelssohn-Konzert zählt zu den wichtigsten Violinkonzerten. Eine große Herausforderung?

Midori: Dieses Konzert für Violine ist wirklich ein wunderbares Stück und sicherlich eins der beliebtesten Werke im Repertoire der Geiger. Es ist so besonders, weil es vieles gibt: Es hat unvergessliche Melodien sowie eine Spannung, eine Brillanz, die Spieler und Hörer in gleichem Maße inspiriert.

2007 hat Sie UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zur Botschafterin des Friedens berufen. Was denken Sie über den Terror in der Welt, speziell über die Ereignisse in Paris.

Midori: Die Ereignisse von Paris haben in uns allen einen großen Schock ausgelöst, wir fühlen Horror und Traurigkeit. Friede muss über physische Sicherheit hinaus- gehen, Friede ist ein Zustand, eine Geisteshaltung. Wir sind leider noch weit davon entfernt, dem Frieden näherzukommen.

Als Sie eine persönliche Krise durchlebten, haben Sie erfolgreich ein Psychologiestudium abgeschlossen und einiges in Ihrem Leben verändert. War das der Wunsch nach Selbsterkenntnis? Wer ist Midori heute?

Midori: Nein, die Selbsterkenntnis stand nicht im Vordergrund. Aber seit ich denken kann, war ich davon fasziniert, etwas über die Psyche des Menschen zu erfahren und wie sie das Miteinander beeinflusst. Das Psychologiestudium gab mir die Möglichkeit, mehr darüber zu erfahren. Gleichzeitig hat es mir geholfen, mich im Hinblick auf die Fortsetzung meiner Karriere sehr bewusst zu entscheiden. Was ich gelernt habe, wende ich natürlich auch in meiner Arbeit als Musikerin weiterhin an, und ich habe die Auftritte ja während des Studiums fortgesetzt. Von einer „Rückkehr“ zur Bühne, wie es manchmal heißt, kann also nicht die Rede sein.

Schon als kleines Mädchen waren Sie ein Bühnenstar, Sie lebten nicht in Japan, sondern in Amerika. Wo sind Ihre Wurzeln?

Midori: Ich genieße die regelmäßigen Besuche in Japan, obwohl ich in Deutschland zeitmäßig häufiger bin. Mit Japan bleibe ich verbunden. Es ist der Ort meiner frühen Kindheit, da habe ich natürlich viele Erinnerungen. Tatsächlich gibt es mehrere Orte, die ich „mein Zuhause“ nennen kann. Japan ist meine Kindheit, aber prägende Jahre habe ich in New York City verbracht. Wenn ich dorthin komme, habe ich auch immer das Gefühl, ich komme heim. Jetzt lebe ich in Los Angeles, und ich habe das Gefühl, dass ich dort zu Hause bin, wo meine Studenten sind.

Wie schaffen Sie es, soziales Engagement und künstlerische Arbeit zu verbinden? Ist das nicht extrem anstrengend?

Midori: Soziales Engagement war für mich stets wichtig, und ich bin glücklich, dass ich Projekte wie Midori & Friends, mein Orchester-Projekt in den USA sowie auch die musikalischen Projekte in Japan fortsetzen kann. Jedes dieser Programme führt unterschiedliche Menschen hin zur Musik, die normalerweise keinen Zugang zu diesen Dingen und zur musikalischen Erziehung hätten.

Was ist das Ziel der Programme, die Sie ins Leben gerufen haben?

Midori: Jedes Projekt arbeitet in unterschiedlicher Weise daran, Menschen und Gruppen der Musik näherzubringen.

Japanische Musik ist nicht so bekannt in Deutschland, oder?

Midori: Auch ich lerne noch eine Menge über japanische Musik. Sie ist absolut faszinierend, manches klingt sehr anders im Vergleich zu dem, was ich normalerweise spiele. Selbst in Japan gibt es mehr Konzerte mit klassischer Musik.

Was interessiert Sie an neuer Musik? Bekannte Komponisten wie Penderecki und Eötvös haben für Sie Kompositionen geschrieben. Möchten Sie die Gegenwartsmusik fördern?

Miodori: Gegenwartsmusik ist ein wichtiger Teil meines Repertoires und ein großes Anliegen. Musik, die heute geschrieben wird, zeigt uns, wie der Komponist von heute die Welt sieht. Mit einem Komponisten an einem Werk zu arbeiten, ist ein unglaublich aufregender Entwicklungsprozess.

In der letzten Saison hatten Sie ein Jubiläum, Sie sind 30 Jahre auf der Bühne. Wird das etwas in Ihrem Leben ändern?

Midori: Nein, nicht speziell. Ich bin dankbar dafür, dass ich weiterhin musizieren kann und meine Musik mit anderen teilen darf, weltweit. Ich hoffe, ich kann meine Projekte fortsetzen, meine Programme und meine Lehrtätigkeit.

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