Vier Künstler werfen einen Blick „Über die Grenze“

Von: Eckhard Hoog
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Holzköpfe, in die man hineinblicken kann: Sie stammen von Brele Scholz und sind Teil der Ausstellung „Über die Grenze“ im Museum De Domijnen in Sittard. Reisen, Flucht, Identität und Begegnung der Kulturen – das sind die Themen dieser Ausstellung. Foto: Eckhard Hoog
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Sie ist bekannt für ihre lebensgroßen, aus Baumstämmen herausgeschälten, expressiven Figuren: die Aachener Bildhauerin Brele Scholz. In Sittard zeigt sie auch eine ergreifende Bildgeschichte über ihre Mutter auf der Flucht. Foto: Eckhard Hoog

Sittard. Holland wählt am 15. März. In dem verunsicherten Land droht eine erschütterte Parteienlandschaft mit Abgrenzung und Abkehr von der EU. Da setzt genau zur richtigen Zeit eine Kunstausstellung im Museum De Domijnen in Sittard mit Aachener Beteiligung ein Zeichen.

Vier Künstler werfen hier einen Blick „Über die Grenze“ und suchen den Kontakt zu anderen Kulturen: das Duo Roy Villevoye & Jan Dietvorst, Jaap de Ruig und die Aachenerin Brele Scholz. Mit Fotos, Videos und Skulpturen stellen sie ihre Begegnungen dar. „Das ist sehr wichtig in einer Zeit, in der Mauern wieder aufgebaut werden und Zwietracht geschürt wird“, erklärt die Amsterdamer Gastkuratorin Anne Berk.

Seit 25 Jahren reisen Roy Villevoye und Jan Dietvorst nach Papua-Neuguinea immer in die gleiche Siedlung im Regenwald. Hier leben die Asmat, die die Steinzeit kaum hinter sich gelassen haben. Omomá ist über die Jahre ein Freund geworden. Die Künstler lassen das Publikum teilhaben an ihren Begegnungen und Erfahrungen in Form von Fotos und Videos. Beide sind sie auf der Suche nach einer Art Kern des Menschseins, der alle eint, jenseits jedweder kultureller Unterschiede. „Wir unterscheiden uns im Hinblick auf Wohlstand, Geschichte, Kultur und Lebensansichten. Gleichzeitig erkennt man sich selbst als Mensch. Wir müssen alle essen und lachen“, sagt Villevoye.

Mit Pferd und Wohnwagen zog Jaap de Ruig, ein wahrer Abenteurer, Anfang der achtziger Jahre umher – die Faszination für das Nomadentum ist ihm bis heute geblieben. Sein großes Interesse gilt dem Leben der Sinti und Roma, die er regelmäßig in Rumänien besucht, aber auch jenen Reisenden, die sich in und um Sittard bis heute mit ihren Wagen aufhalten. Ihnen hat er einen Film gewidmet, in denen er zahlreiche „Reisende“ interviewt.

Modelle von Wohnwagen

Ausgestellt sind außerdem zauberhafte Modelle von Wohnwagen ehemaliger „Reisender“ aus Sittard, die mittlerweile längst sesshaft geworden sind und diese Wagen im Kleinformat aus lauter Nostalgie anfertigen ließen – darunter Nachfahren von deutschen Bauern, die im 19. Jahrhundert in der Sittarder Gegend als Wanderarbeiter mit ihren Wagen umherzogen.

Die Aachener Bildhauerin Brele Scholz ist bekannt für ihre lebensgroßen, aus Baumstämmen roh herausgeschälten, expressiven Figuren. Sie präsentiert 28 überlebensgroße, aufklappbare Holzköpfe, die sie „Umgebaute Europäer“ nennt – jeder steht symbolisch für einen Mitgliedsstaat der EU. „Auseinanderzustreben ist die falsche Botschaft“, sagt die Künstlerin und gewährt dem Besucher den Blick hinein in die jeweiligen Köpfe. Und so erblickt man Bilder und Zeichnungen von Hoffnung, Träumen, aber auch Verletzung und Gefährdung. Oder einfach eine Stadtgesellschaft voller schräger Typen – Menschen, die ihre Individualität ausleben. Und bei aller Verschiedenheit steckt in den Köpfen immer doch Gemeinsames – das ist ihre Botschaft.

Das Thema Flucht behandelt Brele Scholz auf sehr persönliche Weise. Ihre Mutter, die während der Nazizeit als junges Mädchen mit ihrer Familie in die Türkei geflüchtet war – Breles Großvater war ein verfolgter Widerständler in Leipzig – hatte sie ausführlich interviewt. Aus den geschilderten Erlebnissen ist eine zu Herzen gehende Bildgeschichte über das schwere, erschütternde Schicksal ihrer Mutter während des Krieges entstanden: in Buchform. Alle 133 Seiten sind ausgestellt.

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