Vielfalt ist Trumpf: Liederabend mit Marina Viotti

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Liederabende sind von jeher Stiefkinder des klassischen Musikbetriebes. Die Intimität des Liedgesangs verträgt sich nur schwer mit den heutigen großen Konzertsälen, die denn auch nur Weltstars mit einem Liederabend zu füllen vermögen.

Ein solcher ist die junge Schweizer Mezzosopranistin Marina Viotti, die noch am Anfang ihrer Karriere steht und die gerade Preisträgerin beim Concours de Genève wurde, nun wahrlich nicht. Und so war es nicht verwunderlich, dass der große Saal des Aachener Eurogress im fünften Meisterkonzert der Saison nur zu rund einem Drittel gefüllt war und dass es nur die treuesten Abonnenten waren, die dieser Liederabend zu mobilisieren vermochte. Was die Atmosphäre im Saal wahrlich nicht verbesserte.

Dabei war es im Grunde gar kein Liederabend im klassischen Sinne, den Marina Viotti und ihr Klavierpartner Todd Camburn präsentierten. Es war eine fröhliche Mischung aus verschiedenen Genres, vom klassischen Kunstlied über Opernarien bis zum Chanson, die die junge Sängerin mit Charme und großer Überzeugungskraft darbot.

Was diesen eher bunten Abend vergnüglich machte, war der Umstand, dass Marina Viotti in allen Genres gleich sicher zu Hause ist. Ihr Mezzosopran klingt warm und voll, ist dabei schlank geführt und äußerst wandlungsfähig. Dass sie auch virtuos Koloraturen singen kann, bewies sie bei der Arie der Rosina „Una voce poco fa“ aus Rossinis „Il Barbiere Di Seviglia“.

Ihr schauspielerisches Talent und ihre intelligente Charakterdarstellung zeigte sie in den Arien „Séguedilles“ aus Bizets „Carmen“ und „Je t‘adore, Brigand“ aus Offenbachs „La Péricole“. Zauberhaft ihre Wiedergabe von Duparcs „Chanson triste“, weniger gelungen, weil problematisch in den tiefen Registern, Schuberts selten zu hörendes Lied „Der Zwerg“.

Der zweite Teil bot dann stilistisch sehr unterschiedliche Lieder, Songs und Chansons von Weill, Barber, Poulenc, ein Brettl-Lied von Schönberg, einen Song von Bolcom, und schließlich Jacques Brels schmerzlich-schönes „Chanson des vieux amants“. Die völkerverbindende Wirkung von Musik, die Marina Viotti in ihrer Moderation hervorhob, zeigte sich nicht zuletzt in den vielsprachigen Texten verschiedener Nationen. Todd Camburn trug die Sängerin mit seiner kompetenten, technisch äußerst versierten und differenzierten Klavierbegleitung quasi auf Händen.

Dem begeisterten Publikum servierten die beiden noch einen schmissigen Song von Leonard Bernstein als Zugabe.

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