Viel Taktgefühl bei der Suche nach dem neuen GMD

Von: Hermann-Josef Delonge
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Große Frage: Wer wird neuer G
Große Frage: Wer wird neuer Generalmusikdirektor in Aachen und Nachfolger von Marcus Bosch? Sieben Kandidaten von mehr als 100 blieben übrig. In die Schlussrunde sollen zwei gelangen. Am 15. Juli will die Findungskommission darüber beraten, wer sich in einem Sinfoniekonzert präsentieren darf. Foto: Ulf Krentz

Aachen. Es versteht sich von selbst, dass sich alle Beteiligten mit Wasserstandsmeldungen tunlichst zurückhalten. Immerhin, es handelt sich um ein laufendes Verfahren, und gesucht wird die Neubesetzung eines öffentlichkeitswirksamen und für das Renommee der Stadt Aachen bedeutsamen Postens: den des Generalmuskdirektors und Nachfolgers von Marcus Bosch.

Den zieht es bekanntlicherweise nach Franken; er wird Generalmusikdirektor am Staatstheater Nürnberg - in der kommenden Spielzeit in „Teilzeit”, ab 2012/13 dann komplett. Indiskretionen sind da nicht angebracht.

Die Zeit drängt also ein wenig, bis Ende des Jahres soll eine endgültige Entscheidung fallen. In der kommenden Woche soll deshalb ein wichtiger Schritt im Rahmen des Auswahlverfahrens gemacht werden. Von den sieben Kandidaten, die derzeit noch im Rennen sind (siehe Kurzporträts links), sollen im Idealfall noch zwei übrig bleiben.

Arbeitsproben mit Mozart

Bis Ende August 2010 waren die Bewerbungen eingegangen, am Schluss waren es mehr als 100. Alle Mappen wurden gesichtet, gewichtet und gesiebt. Übrig blieben schließlich eben jene sieben Kandidaten. Die haben seit dem Frühjahr Arbeitsproben abgegeben - im Orchestergraben des Theaters, bei Mozarts „Don Giovanni”. Offiziell wurden die sieben Namen nicht bestätigt, wer jedoch die Besetzungslisten der Aufführungen im Internet verfolgt hatte, war darauf nicht angewiesen. Stefan Diederich machte am 8. April den Anfang, alle fünf „Giovanni”-Vorstellungen im Mai wurden von Kandidaten dirigiert. Als Letzter ist am kommenden Donnerstag Thomas Rösner an der Reihe.

Bereits am Tag nach Rösners Kostprobe, also am Freitag, 15. Juli, wird dem Vernehmen nach die Findungskommission zusammentreten und beraten. Sie besteht aus zehn Personen: Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck, einem externen Sachverständigen (Louwrens Langevoort, Intendant der Kölner Philharmonie), zwei Musikern aus dem Orchestervorstand, je einem Vertreter von im Aachener Stadtrat vertretenen Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke) sowie Hubert Bruynswyck (CDU), Vorsitzender des Theater-Betriebsausschusses.

Die letzte Runde

Diese Runde soll dann aus sieben Kandidaten noch zwei, eventuell drei machen. Die werden am Anfang der neuen Spielzeit erneut zu Probedirigaten eingeladen. Die Termine sind bereits reserviert: Es handelt sich um das zweite und das dritte Sinfoniekonzert der Saison 2011/12. Am 16. und 17. Oktober stehen die „Egmont”-Ouvertüre von Beethoven, das 1. Klavierkonzert von Chopin und die Sinfonie d-Moll von Franck auf dem Programm, am 13. und 14. November Beethovens „Coriolan”-Ouvertüre, Chopins 2. Klavierkonzert und die 2. Sinfonie von Rachmaninow. Solistin ist jeweils Olga Scheps. Ob die Namen der Kandidaten für die Schlussrunde bereits in der kommenden Woche bekanntgegeben werden, ist ungewiss.

Gibt es jetzt schon Favoriten? Jedenfalls keine eindeutigen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Aber klar dürfte sein, dass die Mitglieder des Orchesters andere Schwerpunkte bei der Auswahl setzen dürften als die Kommunalpolitiker. Und es ist kein Geheimnis, dass zum Beispiel der junge US-Amerikaner Kazem Abdullah das Orchester bei seinem Auftritt im Oktober 2010, als er das erste Sinfoniekonzert der Saison dirigierte, begeistert hatte.

Das dürfte sich seitdem nicht grundlegend geändert haben.

Aber: Dies muss nicht den Ausschlag geben. Denn im Anforderungsprofil für den neuen GMD stehen nicht nur musikalische Könnerschaft oder „ausdrückliches Interesse an der Pflege zeitgenössischer Musik”, sondern eben auch „Verständnis für die wirtschaftlichen Notwendigkeiten eines budgetierten Theater- und Musikbetriebs” sowie „persönliches Engagement auf dem Gebiet der Drittmittel- und Sponsorenakquise”. Auch auf diesen Gebieten hat Bosch starke Akzente gesetzt.

Vielleicht wissen wir ja Ende kommender Woche mehr.
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