Viel Pathos im Kartoffelsack

Von: Thorsten Karbach
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Köln. Ohne Bruder, aber mit noch mehr selbstherrlicher Arroganz steht er da, der Liam Gallagher. Er hat den Oberkörper in eine lange Jacke gesteckt, eine Art olivfarbenen Kartoffelsack. Die Ärmel sind so lang, dass sie die Hände verdecken, aber die hält er ohnehin hinter dem Rücken verschränkt, als könne er sich an seinem Mikro verbrennen.

Als wäre es heiß - wie ein Vulkan. Hossa, Willkommen bei der Britpop-Folklore mit Beady Eye im Kölner E-Werk.

Beady Eye? Das, was diesen Abend so nach Oasis klingt, ist eigentlich Oasis. Denn nach dem finalen Streit mit Bruder Noel macht Liam mit Gem Archer, Andy Bell und Chris Sharrock - allesamt ehemalige Oasis-Haudegen - als Beady Eye weiter. Auf der Bühne steht außerdem Jeff Wootton mit Bass, zuletzt mit den Gorillaz unterwegs.

Beady Eye liefern einen erwartungsgemäßen Abend. Sie lassen es mächtig scheppern (das ist grandios), ihre Musik hat die Intensität, die Oasis in den Streitereien der Gallaghers irgendwann verloren ging. Und ihre Lieder sind beeindruckend - war bei Oasis doch meist Noel der Songwriter.

Aber „The Roller” oder „Four Letter Word” würden auch auf den besten Oasis-Alben herausragen. Nicht minder erwartungsgemäß - aber zunehmend anstrengend - ist der Pathos, den Liam Gallagher beim einzigen Deutschlandkonzert (ausverkauft) zur Schau stellt. Ewig grimmig starrend, herausfordernd das Kinn nach vorne schiebend.

Aus der Nähe betrachtet wirkt diese Unnahbarkeit, dieses Bild von den bösen Buben, den Rock´n´Roll-Rabauken mehr und mehr wie ein Schutzschild gegen die Modernisierung ihres geliebten Britpops. Während New Wave oder Electro neue Trends und neue Bands produzieren, leben Beady Eye weiter im Gestern und Vorgestern, klingen an diesem Abend mehr als einmal oasiger als Oasis.

Kaum mehr als eine Stunde dauert dieses in jedem Fall eindrucksvoll und begeistert aufgenommene Konzert. Mehr gibt es nicht, mehr scheitert an Gallaghers Hybris. Denn der hatte schon im Vorfeld betont, ausschließlich die eigenen Songs des ersten und einzigen Albums „Different Gear, Still Speeding” zu spielen. Andere Songs wären es aber auch nicht wert, von Gallagher mit Armen hinter dem Rücken verschränkt performt zu werden. Vor allem keine von Oasis. Hossa!
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