Viel Beifall für „Partir à l‘avenir“ in den Kammerspielen

Von: Sabine Rother
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„Partir à l‘avenir“ von Monika Gintersdorfer mit Hauke Heumann (li.) und Franck Edmond Yao in den Aachener Kammerspielen. Foto: Will van Iersel

Aachen. Enorme Energie und tänzerische Präsenz, funkelnder, oft sarkastischer Humor und die sympathische Hinwendung zum Publikum prägen das Projekt „Partir à l‘avenir“ von Monika Gintersdorfer, das am Wochenende in den Kammerspielen des Theaters Aachen uraufgeführt wurde.

Den „Aufbruch ins Abenteuer“ lotet die engagierte Theaterfrau sehr gegenwärtig aus. Ihr Thema ist nicht nur die Migration, es ist die Veränderung, das Abenteuer in Köpfen und Herzen.

Die Nähe zu den Menschen von der Elfenbeinküste erlaubt ihr in Zusammenarbeit mit zwei Künstlern, die ihr Denken und Fühlen improvisatorisch einbringen, eine ungewohnte Sicht auf Fremde und Fremdsein. Ihr Thema sind die weniger bekannten Konflikte unter Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Fanck Edmond Yao alias Gadoukou la Star und Eric Parfait Francis Taregue alias Skelly, zwei Stars der ivorischen Szene, agieren zusammen mit dem deutschen Schauspieler Hauke Heumann ohne Pause rund 80 Minuten.

Es entwickelt sich ein kurzweiliges Feuerwerk aus Emotionen, Informationen, Frechheiten und pantomimischen Glanzleistungen. Während Skelly am Schlagzeug harte Rhythmen zu harten Wahrheiten liefert, treten Yoa und Heumann mit einer Zouglou-Performance auf. Zouglou ist ein Tanz, aber mehr noch der vor 20 Jahren in Abidjan entwickelte Sound der ivorischen Jugend im verzweifelten Kampf gegen Not und Unterdrückung. Yao im gelben langen Hemd, das wie er selbst beständig in Bewegung ist, und Heumann im Outfit eines biederen Arbeiters sind ein ungewöhnliches Doppel.

Was Yao mit sprudelndem Temperament und intensiver Bewegungssprache auf Französisch spricht, wird unmittelbar und mit spiegelnden Körperaktionen von Heumann umgesetzt. Weiße Haut, schwarze Haut – es gibt Momente, da sind die beiden eins, umschlingen und belagern einander. Veränderbare bunte Styropor-Elemente sorgen für variable Spielflächen. Christin Vahl, die auch für die Kostüme gesorgt hat, gibt den Akteuren Bewegungsfreiheit.

Nicht jedem Zuschauer wird jeder historische Umstand blitzschnell klar sein. Dennoch kommt die Botschaft an. Zum Schluss glänzt der Schweiß auf weißer und schwarzer Haut. Die Darsteller verbinden sich nochmals in heftigen Tanzrhythmen. Das war harte Arbeit. „Partie à l’avenir” profitiert von der Theater-Erfahrung der Regisseurin, die ihr Team so inspirieren kann, dass aus dem roten Faden ein Netzwerk wird. Die Frage ist, ob das Stück auch mit anderen Darstellern funktioniert und beim breiten Publikum stets auf Interesse stößt. Viel freundlicher Beifall für eine imponierende Leistung. (Aufführungen auch am 13., 31. Mai, 3. und 4. Juni.)

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