Aachen - Viel Applaus für Wildes Komödie „Bunbury“

Solo Star Wars Alden Ehrenreich Kino Freisteller

Viel Applaus für Wildes Komödie „Bunbury“

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
7615145.jpg
Bunte Bühne, witzige Dialoge, junge Darsteller: Cecily (Sarah Härtling, l.) und Gwendolen (Julia Hoffstaedter). Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Dass ein hitziges Doppelleben sehr anstrengend sein kann, beweist im Aachener Grenzlandtheater die beliebteste Komödie von Oscar Wilde: „Bunbury oder die Bedeutung, Ernst zu sein“ war und ist ein köstlicher Generalangriff auf die viktorianische Sittenstrenge und Langeweile. Aber auch die Reichen und Schönen kriegen ihr Fett ab...

„Im Ernstfall zählt nur Eleganz, nicht Ehrlichkeit“, spöttelte Wilde, der vielseitige anglo-irische Autor, der den Begriff „Dandy“ (Lebemann) mit einem lustbetonten Leben füllte. Wegen seiner – damals strafbaren – Homosexualität wurde er 1895 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, wo „Die Ballade vom Zuchthause zu Reading“ und die Bekenntnisse „De profundis“ entstanden. Gestorben ist er 1900 – völlig verarmt – im Alter von 46 Jahren in einem maroden Pariser Hotel.

Fast 120 Jahre alt ist inzwischen die Geschichte von „Bunbury“. Auf der poppig bunten Bühne (Matthias Winkler) in Regenbogen-Farben braucht es wenig Mobiliar, um das luxuriöse wie aufreibende Doppelleben zweier junger Lebemänner ins Bild zu rücken. Algernon im Morgenmantel und Jack im unsterblichen Pullunder-Look sind alte Freunde, der türhohe Diener Lane darf sich viel herausnehmen und sogar vom Champagner nippen. Er kann nur den Kopf schütteln über das seltsame Doppelleben beider Herren – Algernon auf dem Lande beim erfundenen kranken Freund, Jack mit seinem erfundenen missratenen Bruder in der Stadt, wo Jack das geliebte Nachtleben auskosten kann. Beide Herren empfinden die Ehe „so demoralisierend“, was sie aber nicht hindert, sich ganz konkret in zwei bezaubernde junge Damen zu verlieben.

Tolldreist und witzig sind insbesondere die Dialoge der jungen Damen, die ein Auge auf „Ernst“ geworfen haben, ohne zu ahnen, wer sich dahinter verbirgt. Cecily ist das Mündel von Jack, Gwendolen ist Algernons Cousine. Beide wollen nur einen Mann, der „Ernst“ heißt, was erst mal zu schwerwiegend-witzigen Irrtümern und Zerwürfnissen zwischen den Mädchen führt. Mit geballter Komik gehen Julia Hoffstaedter als Gwendolen und Sarah Härtling als Cecily aufeinander los – ein Hochgenuss für Auge und Ohr!

„Männer gehören ins Haus“, meint später die etwas hochnäsige Gwendolen – weil sie da am wenigsten Schaden anrichten... Noch klassenbewusster ist ihre aufgerüschte Mutter, Lady Bracknell, Algernons Tante, die auch gut rechnen und recht bissig werden kann. Eine Glanzrolle für Theresa Berlage, die – ganz ladylike – die aparte Gwendolen an keinen Armen vergeben will. Natürlich kommen Algernon und Jack, der sich als „Ernst“ ausgibt, immer mehr in die Bredouille, das Kartenhaus der „geliehenen“ Identitäten droht einzustürzen.

Tom Viehöfer als Algernon und Fabian Goedecke ergänzen sich famos als das Männer-Duo, das der weiblichen Energie und Tatkraft nichts „Ernstliches“ entgegensetzen kann. So lässt der fabelhafte Regisseur Ulrich Wiggers, im Grenzlandtheater kaum noch wegzudenken, die beiden Männer Platz nehmen in einem Doppelgestühl, das zur Falle wird. Urkomisch, wenn dann auch noch die jungen Damen den verdutzten Herren auf den Leib rücken.

Abstammung und Geblüt – auch so ein Thema, das zunächst Rätsel aufgibt. Doch Miss Prism (zauberhaft gespielt von Gundi Anna Schick) und Pastor Chasuble (immer gern gesehen: Urs-Werner Jaeggi) bringen Licht ins Dunkel. Bastian Sesjak imponiert als Diener-Zwilling. Noelie Verdiers einfallsreiche Kostüme verdienen einen Preis. Das Publikum dankte am gelungenen Happy End mit kaum enden wollendem Applaus.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert