Verzweifelte Suche: Janne Teller liest aus „Nichts”

Von: Sarah Sillius
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Janne Teller (Mitte) liest in Aachen aus ihrem Roman „Nichts”. Jürgen Kippenhan vom Institut „Logoi” und seine Kollegin Aline Gerhards begleiten die lebendige Diskussion in der Aula Carolina. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Mit einem Echo hallen Janne Tellers Sätze durch die Aula Carolina. Ihre Stimme ist zart, fast schüchtern. Ihr Buch „Nichts” ist es nicht. Im Gegenteil. Die dänische Autorin hat mit ihrer Geschichte ein Tabu gebrochen. Sie hat schockiert und provoziert.

An vielen Schulen wurde der Jugendroman verboten, in Westnorwegen gilt das Verbot bis heute. Fasziniert hat das Buch aber gleichermaßen, und viele Leser in seinen Bann gezogen.

Mit der sehr gut besuchten Lesung in Aachen ist die Deutschland-Tour von Janne Teller gestartet. Und das mit einer äußerst lebendigen Diskussion, geleitet von Jürgen Kippenhan vom Aachener Institut für Philosphie und Diskurs „Logoi”.

Es ist ein Buch, das viele Fragen aufwirft - ob bei Erwachsenen oder Jugendlichen. Es scheint, als hätten sie sich an diesem Abend selbst auf die Suche nach Bedeutung aufgemacht. Nach der Bedeutung, die die 13-jährige Hauptfigur Pierre Anthon verneint. „Nichts bedeutet etwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun”, sagt er und löst damit unter seinen Mitschülern die existenzielle Angst vor dem Nichts aus. Die Kinder häufen „einen Berg an Bedeutung” an, dem jeder von ihnen etwas opfern muss, das ihm persönlich etwas bedeutet. Das Projekt beginnt ganz harmlos, mit einem Paar grünen Sandalen, und erfährt dann eine grausame Steigerung.

„Stimme im Kopf”

„Wie kommt man auf solch eine Idee, warum muss die Geschichte so brutal enden?”, wollen die Zuhörer wissen. Jane Teller sagt, Pierre Antons Stimme sei eines Tages plötzlich in ihrem Kopf gewesen.

„Es gibt eine Wahrheit in einer Geschichte, der man folgen muss”, erklärt sie. Bevor sie die Geschichte zu Ende schrieb, habe sie nicht gewusst, dass sie solch ein brutales Ende nehmen würde. Das habe sich einfach so entwickelt - wie ein natürlicher Prozess. „Als ich einmal angefangen hatte, konnte ich nicht mehr anhalten.”

Anhalten kann Teller auch bei ihrer Lesung in Aachen schwer. „Normalerweise liest man zwar nie das Ende vor”, sagt sie und rauft sich die Haare. „Aber hier muss ich es lesen, damit man die Geschichte auch verstehen kann.”

Kippenhan sagt, ihn habe besonders ein Satz berührt: „Und ich weiß, dass man mit der Bedeutung nicht spaßen soll.” Was der Satz bedeutet? Teller sagt, man könne nicht jeden Satz erklären. So sei es nun mal in der Literatur. Wichtig ist ihr, dass über die Gewalt unter Jugendlichen diskutiert wird. Darüber, warum ihnen Bedeutung verloren geht oder sie keine finden.

An dem Abend werden nicht auf alle Fragen Antworten gefunden. Die Zuhörer werden - wie die Leser des Romans - ohne ein Happyend entlassen. In ihre eigene Suche nach der Bedeutung.
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