Verfilmtes Buch von Randi Crott im Kino

Von: Sabine Rother
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Dort besuchten sie Originalschauplätze, zum Beispiel die einstige Hütte der Familie. Foto: Real Fiction Filmverleih
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Reiste mit Lillian Crott Berthung nach Norwegen: Dokumentarfilmer Klaus Martens. Foto: Real Fiction Filmverleih
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Die 94-Jährige kam mit nach Norwegen und stellte sich der zum Teil sehr schmerzlichen Erinnerung. Foto: Real Fiction Filmverleih

Aachen. Eine herrliche Winterlandschaft, Norwegen, blauer Himmel, ein kleines hübsches Holzhaus und eine Frau, die langsam durch den hohen Schnee darauf zugeht. Harstad, ein Ort ganz im Norden. Damals, 1942, war Lillian Berthung gerade 19 Jahre alt. Hier begann ihre gefahrvolle Liebesgeschichte.

Der Dokumentarfilm von Klaus Martens „Erzähl es niemandem!“, der ab heute auch im Aachener Apollo-Kino zu sehen ist, setzt in bewegenden Bildern um, was die Journalistin Randi Crott im gleichnamigen Buch zum Schicksal ihrer Eltern recherchiert und aufgeschrieben hat. Lillian Crott Berthung war in Harstad zu Hause.

Hier verliebte sich die Norwegerin in ihren späteren Mann – Helmut Crott, einer der Soldaten, die ab April 1940 ins Land kamen. Die Besetzung und Ausbeutung Norwegens durch die deutschen Nationalsozialisten lief an. Bald danach – 1942 – entwickelte sich eine dramatische Beziehung, zu der ein lebenslanges Familiengeheimnis gehören sollte.

Erst nach dem Tod des Vaters konnte die Journalistin auf Spurensuche gehen. Randi Crott, die unter anderem beim WDR im Einsatz ist, und Dokumentarfilmer Klaus Martens („Wir die Wand“, „Heilung unerwünscht“, „Lehrer aus Leidenschaft“) sind ein Paar. „Bereits während Randi schrieb, habe ich Filmmaterial gesammelt“, erzählt Martens, der sein Konzept nach und nach entwickelte und dabei gleichfalls auf Quellensuche ging. Ein Propagandafilm, der im Bundesarchiv Berlin lagert, bot zum Beispiel wichtige historische Details.

„Unglaublich, der Einmarsch der Deutschen und ihre Ziele wurden ganz klar beschrieben.“ Warum Norwegen? Es war das Eisenerz, das man zur Waffenproduktion haben wollte. Von Schweden aus wurde das Erz nach Narwig, dem einzigen eisfreien Hafen in Norwegen, transportiert, von dort auch nach Deutschland. Die Nazis hatten das Land regelrecht ausgeplündert. „Und die Waffen wurden dann wieder in Norwegen eingesetzt“, so der Dokumentarfilmer. Noch heute kann man in Harstad, wo Crott stationiert war, die „Adolfskanone“ aus der Besatzungszeit besichtigen.

Lillian Crott Berthung (94) kam zum Filmen mit nach Norwegen und stellte sich der zum Teil sehr schmerzlichen Erinnerung. „Für sie war es eine späte Rehabilitation, schließlich wurde damals ein Mädchen, das mit einem Deutschen zusammenkam, als Flittchen angesehen“, betont Martens.

Der Film erzählt die komplette Geschichte – dass sich Helmut Crott als Sohn einer nach Theresienstadt deportierten jüdischen Mutter quasi in die Wehrmacht „gerettet“ hatte, niemand von diesem „Makel“ wusste und Lillian dieses Geheimnis bewahren musste. Wie filmt man Erinnerungen und erneut aufkommenden Schmerz? „Wir sind uns zum Glück nah und vertrauen einander“, sagt Martens.

In 30 Städten ist der Film inzwischen in den Kinos. „Die Publikumsgespräche sind jedes Mal sehr intensiv“, berichtet Martens, der immer wieder zu hören bekommt: Warum ist das kein Spielfilm geworden? „Ich bin Dokumentarfilmer mit Leib und Seele. Um etwas fiktional zu produzieren, fehlt mir zudem die Erfahrung“, betont er. „Aber der Stoff würde sich tatsächlich eignen.“

Und Partnerin Randi Crott? Hat sie an der Entstehung des Films mitgewirkt? „Nein“, sagt Martens ganz spontan. „Sie hat sich in all der Zeit überhaupt nicht eingemischt.“ In Norwegen gibt es bereits Interesse für die norwegisch-deutsche Liebesgeschichte. Ein Fernsehsender hat sich gemeldet, Martens könnte sich eine Version für das Ausland gut vorstellen.

Buch und Film – gibt es unterschiedliche Herangehensweisen? „Der Film bleibt eigenständig, auch, wenn er dem Buch folgt“, erklärt Martens. Hat Randi Crott die Liebesgeschichte und das Schicksal der Eltern eher aus der Perspektive des Vaters geschrieben, so steht bei Martens‘ Dreharbeiten die Perspektive der jungen Norwegerin, die so viel wagte, deutlicher im Vordergrund.

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