Bonn - Urschrei-Therapie und donnernde Alaaf-Rufe

Urschrei-Therapie und donnernde Alaaf-Rufe

Von: Andreas Herkens
Letzte Aktualisierung:
Energiebündel mit viel Charme
Energiebündel mit viel Charme: Die Französin Zaz erobert mit ihren federleichten Pop-Chansons auch bei uns immer mehr die Bühnen und die Herzen. Foto: imago/Stefan M. Prager

Bonn. Kleine Frau ganz groß. Zaz erobert immer mehr auch in Deutschland die Bühnen und die Herzen. So etwa am Wochenende auf dem prall gefüllten Museumsplatz in <b>Bonn.</b> Dort lässt die zierliche Französin tanzen, singen, schreien, zaubert ein Lächeln in die Gesichter der Menschen.

Die Begeisterung will schließlich kein Ende nehmen, sodass sie als Zugabe einfach ihren Hit „Je veux” wiederholt, bevor sie mit einem ruhigen, ganz ohne Begleitung gesungenen Lied endgültig die Bühne verlässt.

Diese Frau ist schon ein Phänomen. In Frankreich konnte Isabelle Geffroy, so ihr richtiger Name, bereits große Erfolge verbuchen, das Land liegt ihr zu Füßen. Und auch außerhalb ihrer Heimat trifft die 31-Jährige immer mehr den Nerv der Leute: mit chansonartigem Pop, einer Reihe von Ohrwürmern, gewürzt mit jazzigen Tönen, Gypsy-Swing, ganz viel Lebensfreude und noch mehr Charme. Dass eine Französin mit französischsprachigen Songs bei uns so abräumen kann - wann hat es das zuletzt gegeben?

Diese Stimme elektrisiert

Zaz ist auf der Bühne ein Wirbel-wind, ein Energiebündel. Sie tän-zelt, fegt hin und her, sitzt aber auch schon mal ganz ruhig auf einem Barhocker oder auf einem Stuhl. Ihre in höheren Tonlagen leicht heisere Stimme füllt die Luft, elektrisiert regelrecht. Die Stücke ihres Debütalbums kommen mit ihrer vierköpfigen Band deutlich druckvoller daher, ohne allerdings die Leichtigkeit zu verlieren. Und zwischendurch versucht sich Zaz auch mit anderen Ansätzen, die nicht auf ihrem ersten Album zu finden sind: Da geht es merklich rockiger zu.

Die Französin kann auf der Bühne weder richtig Deutsch noch Englisch sprechen - ein paar deutsche Sätze versucht sie mehr schlecht als recht abzulesen. Aber Zaz wäre nicht Zaz, wenn sie das schwernehmen würde. Sie überspielt ihr Sprachen-Manko geschickt und publikumswirksam, indem sie sich einfach eine Zuschauerin zum Übersetzen auf die Bühne holt. Die Zuschauer nehmen ihr das nicht übel - im Gegenteil.

So kommt es unter anderem zur guten alten Urschrei-Theapie. Die Übersetzerin erklärt das Ansinnen von Zaz: Die möchte, dass das Publikum, das sowieso schon kräftig in Bewegung ist, noch mehr aus sich herausgeht, Emotionen aus dem tiefsten Inneren herausschreit. Und so passiert es dann auch.

Gegenstück zu „Olé”

Zaz zelebriert beispielsweise ihren Song „Ni oui ni non” mit den Fans, die nach einer anfänglichen Einübungsphase schließlich im Wechsel richtig antworten. An anderer Stelle möchte sie wissen, was das deutsche Gegenstück zum spanischen „Olé” ist: „Alaaf” hört sie, baut es prompt in ein Lied ein - die Leute stimmen donnernd mit ein und haben Spaß.

Kein Wunder, dass diese Charmeoffensive den allermeisten auch nach fast zwei Stunden noch zu kurz ist. . .

Ihr Hit „Je veux” meint übersetzt ja „Ich will”. Und das mag auch wie die Quintessenz dieses Konzertes sein: Man will sie wiedersehen auf der Bühne, diese kleine Französin, mit ihr singen und tanzen - und natürlich auch wieder lächeln.
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