„Unter 50 ist man kein Dirigent”

Von: Eckhard Hoog
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Am 19. Juni stellt er sich im
Am 19. Juni stellt er sich im Theater Aachen dem Opernpublikum erstmals als neuer Erster Kapellmeister des Aachener Sinfonieorchesters vor: der gebürtige Ungar Péter Halász (34) . Dann dirigiert er Rossinis „La Cenerentola - Aschenputtel”. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Seit zwei Wochen wohnt er in Aachen-Burtscheid und ist absolut angetan von seiner neuen Heimat - und im Gespräch erweist er sich als wahrer Ausbund an guter Laune und Optimismus: Péter Halász, der neue Erste Kapellmeister des Aachener Sinfonieorchesters. .

Über 100 Mitbewerber

Über 100 Mitbewerber um die Nachfolge von Daniel Jakobi, der an die Oper Bonn gewechselt ist, hat der junge Mann mit seinem Können aus dem Feld geschlagen. Dabei gibt sich der gebürtige Budapester, der sein Deutsch mit zartem Wienerischen Unterton während seines Studiums in der österreichischen Heimatstadt der Oper und später sieben Jahre lang am Staatstheater Mainz perfektioniert hat, absolut bescheiden. „Karajan hat gesagt: ?Unter 50 ist man noch kein Dirigent”, lächelt er amüsiert und meint es doch ganz ernst. Denn das soll heißen: Ohne den Fleiß und das Wissen um die Notwendigkeit, immer noch stetig weiterlernen zu müssen, gibt es auch mit 34 keinen künstlerischen Fortschritt mehr.

Und wo kann man sein Handwerk besser lernen als bei berühmten, weithin anerkannten Lehrern? Péter Halász hat sie alle intensiv kennengelernt, die ganz Großen seiner Zunft: allen voran Leopold Hager, Ervon Acél, Zoltán Peskó, Bernard Haitink und Adam Fischer, bei denen er als Meisterschüler in die Lehre ging. Zoltán Peskó hat ihn vorgewarnt: „Das wird sehr, sehr viel Arbeit.” Und er hat Recht gehabt: „Man muss üben, üben, üben . . .” Aber dabei strahlt Halász derart entspannt und fröhlich - so schlimm kann der mühevolle Aufwand nicht sein, die Höhen der musikalischen Kunst zu erklimmen. „Es ist einfach spannend”, sagt er, und man glaubt es ihm unbesehen.

Orchesterliteratur fand er immer schon inspirierend, erst recht dann beim Klavier- und Kompositionsstudium in Wien. „Das ist eine aufregende Stadt”, erinnert er sich gerne an das überreichliche musikalische Angebot Wiens. Selbst ein Orchester zu leiten, das ist für ihn seither der Höhepunkt der Instrumentalkunst: „Hier hat man alle erdenklichen Möglichkeiten der Klanggestaltung.”

Nach fünf Jahren Wien ging er für eine Saison nach Zürich ans Opernhaus als Korrepetitor. Hier hat er Cecilia Bartoli in der „Cenerentola” gehört und ihre Stimme immer noch im Ohr: „Das war ein großes Glück, und ich weiß immer noch, wie es geklungen hat.”

In Mainz dirigierte er dann als Kapellmeister gut 20 Opern in über 100 Vorstellungen. Dabei ist der Kontakt zu seinen meisterlichen Lehrern und Mentoren nie abgebrochen - im Gegenteil, das erwies sich auf amüsante Weise oft als sehr hilfreich.

„Das hat viel Spaß gemacht”

Adam Fischer, den großen ungarischen Operndirigenten, hat er angerufen, bevor er kurzfristig eine „Rigoletto”-Vorstellung übernehmen sollte, und ihn gefragt, an welchen Stellen der Partitur man besonders aufpassen muss. „Vier hat er mir genannt”, lacht Péter Halász. „Und es hat tatsächlich gestimmt - die Klippen kamen genau an den Stellen. Es ist schon sehr viel wert, wenn man das vorher weiß.”

Auf die Stelle in Aachen hat er sich beworben und mit seinem Vordirigat offensichtlich voll überzeugt. „Das hat sehr viel Spaß gemacht”, sieht er die Prozedur im Nachhinein immer noch ganz locker - zumal er vom Sinfonieorchester Aachen ganz begeistert ist. „Alle Gruppen sind sehr geschlossen. Und alle passen sehr auf dynamische Feinheiten auf. Man merkt, dass das Orchester in guten Händen ist.”

Nun also das Aachen-Debüt mit Rossinis „La Cenerentola”. Bei der Frage, ob irgendwelche Vorbilder das anvisierte Klangbild möglicherweise mitbestimmen, antwortet Halász mit Gustav Mahler: „Tradition - das ist die Bewahrung des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.” Selbstverständlich, so meint er, gibt es jede Menge Vorbilder, denen es nachzueifern gilt. „Man ist immer vorbelastet.” Und das ist für ihn auch gut so: „Es ist wichtig, die Tradition zu kennen.” Wobei für ihn die Arbeit dann am schönsten ist, wenn sich die Sängerinnen und Sänger ganz frei als Individualisten einbringen.

Als Märchen findet er Rossinis „Aschenputtel”-Version „entzaubert”, wie er sagt. „Die Geschichte spielt in einem kleinadeligen Milieu” - in ziemlich weltlicher Umgebung also und keineswegs mit gelegentlich vorbeihuschender Kürbiskutsche. Entspannt soll es klingen, geht Halász die Vorstellung von seinem Dirigat durchs Ohr, entspannt, aber keineswegs märchenhaft. „Wobei ich nicht sagen will, dass die Musik nicht zauberhaft ist.” Vor allem schnell muss gespielt werden, die Damen und Herren des Orchesters werden zwar nicht auf Trab gebracht, aber geführt mit „entsprechend energischer Spannung” - so fasst der Dirigent seine geplante Tempogestaltung selbst in Worte.

Das Karriereziel beschreibt der sympathische Neu-Aachener ganz schlicht: „Gute Musik mit guten Leuten machen. Ich freue mich sehr, jetzt hier anfangen zu dürfen, dass wir uns gegenseitig viel Freude geben und dass das dann auch ansteckend wirkt auf das Publikum.” Was soll man dem noch hinzufügen?

Premiere ist am 19. Juni. Daniel Jakobi dirigiert zum Chaplin-Film „The Kid”.

„La Cenerentola - Aschenputtel”, Oper von Gioacchino Rossini im Theater Aachen.

Premiere am Sonntag, 19. Juni, um 18 Uhr, weitere Aufführungen am 23., 25. Juni; 1., 10., 17., 20. Juli. Halász dirigiert, Regie führt Joan Anton Rechi.

Péter Halász Vorgänger Daniel Jakobi ist als Dirigent mit dem Sinfonieorchester Aachen heute um 20 Uhr und am Samstag, 14. Mai, um 19 und um 22 Uhr im Theater Aachen noch drei Mal zu erleben: Dort wird in Zusammenarbeit mit dem Cinetower Alsdorf Charlie Chaplins berühmter Stummfilm „The Kid” mit Musik von Chaplin gezeigt und aufgeführt.

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