Unheilig im Kölner Stadion: Träume, Glück und das schöne Leben

Von: Susanne Schramm
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Der Graf in Aktion: Am Samstag
Der Graf in Aktion: Am Samstag gastierte die Aachener Band Unheilig im Kölner RheinEnergieStadion vor 32 000 Fans. Die Veranstaltung mit Vorbands, Umbauten und Pausen dauerte von 16 bis 23 Uhr. Foto: Peter Wafzig

Köln. Wenn Grundschulkinder aus voller Kehle „Das sind unsre besten Jahre, das ist unsre beste Zeit” singen, dann kann man das für unreflektiert halten. Oder auch für beängstigend klug. Weil es niemals wieder besser sein wird als jetzt.

Am Samstagabend im KölnerRheinEnergieStadion, wo Unheilig aus Aachen von 32.000 Fans gefeiert werden. Wo die „Lichter der Stadt” über die Bühne flimmern, während sonst schon längst Bettruhe angesagt ist. Wo man nicht nur toben darf, sondern auch toben soll („Wollen wir alle gemeinsam springen?”), die Erwachsenen bereitwillig Limo, Pommes und Weingummi spendieren.

„Es sind heute 1000 Kinder hier”, ruft der Graf triumphierend aus. Grund zum Triumph hat der Sänger der Band, die noch vor gut zehn Jahren auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig oder dem Doomesday Festival in Dresden spielte, fürwahr. Ihm ist es gelungen, die Zugehörigkeit zu der von besorgten Vätern und Müttern eher argwöhnisch betrachteten Schwarzen Szene zu relativieren. Deren Fans sagen würden: zu verwässern.

Schon das letzte Studioalbum „Große Freiheit” war eher Mainstream als Monstermucke. Ähnlich ist es mit „Lichter der Stadt”. Mit starker Pop-, wenn nicht gar Schlagernote und Texten, in denen immer wieder von Träumen die Rede ist, vom kleinen Glück und davon, dass das Leben schön ist. Nun eint der Graf die Generationen.

Das Stadion wird zur Familiengruft. Mit unheiligem Kinderland, in dem weder geraucht noch Alkohol getrunken werden darf, wo man sich aber abwaschbare Airbrush-Tattoos auf den Hals sprühen lassen und ausprobieren kann, wie sich gesampelte Musik anhört, während man eine Gitarre in Händen hält. Im Innenraum des Stadions ist eine relativ kleine Bühne aufgebaut, mit einer Anlage, die für eine Lautstärke sorgt, die auch Siebenjährigen nicht weht tut. Obwohl sich manche der Nachwuchs-Fans trotzdem die Ohren zuhalten. Was aber auch an der Dauerbelastung liegen mag.

Einlass ist um 16 Uhr, das Konzert endet um 23 Uhr. Mit Wartezeiten, den Auftritten von Andreas Bourani und Staubkind, zwei Umbaupausen plus fast 120-minütigem Hauptprogramm macht das sieben Stunden.

In punkto Ablauf ähnelt die eigentliche Show sehr der letzten. Diesmal ist nicht das Meer Mottogeber, sondern die Stadt. Anstelle von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins” erklingt „New York, New York”, statt des aufragenden Schiffsbugs bestimmt eine funkelnde Skyline das Bühnenbild.Die Mehrzahl der Stücke entstammt dem „Lichter der Stadt”-Album.

Mit „Unter deiner Flagge”, „Große Freiheit”, „Abwärts”, „Geboren, um zu leben” und der zweiten Zugabe „Für immer” sticht Bernd Heinrich Graf erneut in See. Ansonsten geht er kaum ein Risiko ein. Die brachiale „Maschine” der Gründerzeit mutiert zum harmlosen, mit Mädchenstimmen aufgehellten Techno-Maschinchen, die letzte Zugabe „Stark” hat einen Refrain, der mit „Auf Wiedersehen” beginnt, und sich perfekt dazu eignet, traurige Fans zu trösten.

Die gutturale Zweitakter-Singweise des Grafen ist unverändert, ebenso wie sein Outfit, sein Aussehen, seine Art, sich zu bewegen oder das Publikum zu animieren.Unterstützt wird er von drei Musikern (Gitarre, Schlagzeug, Keyboard), zeitweilig kommen die „Lucky Kids”, der Kölner Kinderchor und Kinder aus dem Publikum hinzu.
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