Tierpark

Und endlich wieder fliegen

Von: Steffen Rüth
Letzte Aktualisierung:
Andrea Berg
„Gerade das vergangene Jahr war schwer für mich. Ich wusste nicht, ob und wie es weitergehen sollte”: Andrea Berg nachdenklich. Aber es ist für sie weitergegangen - das neue Album ist da. Foto: Stephan Pick/Sony

Aachen. Fast zehn Millionen Tonträger hat sie seit ihrem Debüt „Du bist frei” (1992) im deutschsprachigen Raum verkauft, die vorigen vier Alben sprangen auf Anhieb auf Platz eins der Charts. Die Gold- und Platin-Schallplatten lassen sich kaum noch zählen.

Einige dieser Trophäen hängen an der Wand ihres Arbeitszimmers, auf der Fensterbank stehen zudem jeweils vier der fünf „Echo”-Auszeichnungen und „Goldenen Stimmgabeln”, die sie bis jetzt bekam.

Der Erfolg sagt Andrea, sei ihr nicht so wichtig. Ihr gehe es ums Berühren. „Ich bin unheimlich erfolgreich. Aber ich glaube, dass ich so erfolgreich bin, weil ich nicht unbedingt erfolgreich sein will.” Weil sie nach jedem Konzert Autogramme schreibt und Menschen umarmt. Weil sie nach ihrem größten Hit „Du hast mich tausendmal belogen” nicht übergeschnappt ist. Weil sie, obwohl der Durchbruch längst geschafft war, bis 1998 als Arzthelferin und Krankenschwester in Krefeld arbeitete. Erst seit der Geburt von Tochter Lena konzentriert sie sich auf die Musik.

Mitten im Paradies

Andrea Berg (44) ist die Ruhe selbst. An einem warmen Herbstnachmittag sitzt sie vor ihrem Haus am Pool in der Sonne und trinkt einen Kaffee. Trotz der Veröffentlichung ihres 14. Albums „Schwerelos” und dem damit verbundenen Stress wirkt sie entspannt und aufgeräumt. Ein Eindruck, den sie gerne bestätigt. „Ich bin in dem vergangenen Jahr unwahrscheinlich ruhig geworden. Ich lebe mitten im Paradies, bin behütet und habe das Gefühl, dass mir gar nichts Schlimmes passieren kann. Ich bin angekommen. Und ich genieße die positive Energie, die mich umgibt.”

Schaut sie nach rechts, sieht sie auf das von ihr selbst gestaltete „Landhaus am Sonnenhof”, das Haupthaus liegt zwei Fußminuten entfernt, der Blick schweift über Wiesen, Weinberge und Wald. Seit sieben Jahren lebt die gebürtige Krefelderin nun schon in Kleinaspach zwischen Stuttgart und Heilbronn. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Hotelier und bekannten Fußballerberater Uli Ferber, der zwölfjährigen Tochter Lena, Ferbers zwei erwachsenen Söhnen, ihren Eltern und weiteren Familienmitgliedern hat sich Andrea Berg hier ein wahres Idyll aufgebaut.

Sie beschönigt nicht, dass es vor der Arbeit an „Schwerelos” eine Zäsur in ihrer Karriere gab, die sie für kurze Zeit ratlos machte. Eugen Römer - ihr Entdecker, Produzent, Mentor und Songschreiber - musste wegen angeschlagener Gesundheit nach 18 erfolgreichen Jahren die Arbeit mit seiner Kreativpartnerin beenden. Für Berg ein Schock. „Ich bin nicht die Unverwundbare, die Unkaputtbare. Gerade das vergangene Jahr war schwer für mich. Ich wusste nicht, ob und wie es weitergehen sollte.”

Doch plötzlich trat Dieter Bohlen - der Pop-Titan - ins Leben der Schlager-Titanin. Ein erstes Treffen im Sommer auf Mallorca, der gemeinsame Eindruck, dass man menschlich wie musikalisch gut zueinander passt, schließlich die dreiwöchige, intensive Arbeit in Bohlens Studio in der Lüneburger Heide. „Seine ersten Ideen, seine ersten Songs haben mich gleich angeknipst. Dazu kommt, dass ich ihn mochte. Dieter ist ein aufrichtiger, geradliniger Typ, der so redet wie ich und ohne Allüren daherkommt.”

Freilich muss niemand fürchten, dass Andrea Berg nun plötzlich so klingt wie Mark Medlock Andrea Berg ist immer noch Andrea Berg. „Wir waren uns darüber im Klaren, dass man die Menschen nicht erschrecken darf. Denn so wie ich klinge, das bin ja ich, das ist meine Botschaft, das ist mein Groove. So sollte es auch bleiben.”

Auch „Schwerelos” ist ein Album mit tanzbaren Discofoxnummern wie der ersten Single „Du kannst noch nicht mal richtig lügen” oder „Ich werde wieder tanzen geh’n”. Vielleicht ist es der balladenhafte, von Streichern untermalte Titelsong, der die Brücke zwischen Vertrautem und Neuem am deutlichsten schlägt. „In dem Stück geht es darum, sich abzustoßen vom Meeresgrund, sich auf etwas Neues einzulassen, endlich wieder zu fliegen. Das kann man auf eine neue Liebe beziehen, aber eben auch auf meine neue berufliche Situation. Wenn man so will, ist das Album eine Premiere. Andererseits ist jeder Tag im Leben eine Premiere, die gefeiert werden sollte. Das Ziel muss doch sein, zu leben und seine Zeit mit Liebe auszufüllen.”
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