Und dann wird es wird es allen ganz warm ums Herz

Von: Olaf Weiden
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Köln. „Eviva Cecilia” tönte eine Stimme von den hinteren Rängen, und auch dieser Zuruf war dem gesamten Publikum erneut Beifall wert, um diese Huldigung zu goutieren.

In der Kölner Philharmonie schenkte Cecilia Bartoli ihren Fans einen anspruchsvollen wie anrührenden Vortrag über den Kunstgesang der Kastraten, und die zahlreichen Freunde der italienischen Mezzo-Diva dankten es ihr mit stehenden Ovationen, Blümchen und Päckchen - da wurde es allen ganz warm ums Herz.

Selbst Mozart fertigte noch virtuose Arien für Kastraten an, er schrieb den Stars einer damals bereits untergehenden Glanzzeit des Musiktheaters die Stücke „in die Gurgel”, wie es hieß. Eine geläufige Gurgel besitzt auch Cecilia Bartoli, dazu ein warmes und samtweiches Timbre, das hinter der Stimme ein stetes Lächeln trägt. Die Koloraturen sind harte Arbeit, denn sie schwingen sich über endlose Atembögen, brechen gern in weite Intervalle aus und gelingen nur, wenn das Zwerchfell sportlich rattert - dabei hilft ein diszipliniertes Mezzoforte. Genialischen Glanz legt darüber dann die scheinbare Mühelosigkeit und das stürmische Vorwärtsdrängen.

Die barocke Lyrik liefert die passenden Bildern. Cecilia lässt den verwundeten Hirsch springen, Schmetterlinge flattern, Quellen frisch sprudeln und natürlich Gefühle wallen. Selbst ihre Garderobe spricht zum Volk: Sie spielt an diesem Abend durchgängig eine Hosenrolle, das zeigen Hosen und Stiefel. Aber eine goldene Corsage und eine feuerrote Schleppe stehen für die eigentlich weibliche Stimmlage, die Papst Clemens IX. via Edikt von 1668 „bei hoher Strafe” aus den Theatern offiziell verbannt hatte.

Es stimmte halt alles bei ihrer Station am Rhein, das Programm präsentiert sie in ganz Europa. Nicht immer ist das wunderbare Barockensemble „Il Giardino Armonico” dabei, ein Garten voller Harmonie, der auch im Herbst in kräftigen Farben blühen kann. Gegen den Maestro Giovanni Antonini wirkte die quirlige Bartoli bewegungsarm, er tanzte die Tempi dem Orchester vor, als Solist auf der Blockflöte schüttelte er alle Knochen. Aber nichts wirkte aufgesetzt oder gekünstelt, Wahrhaftigkeit durchdrang diese Show, die pure Lust an der Musik der barocken Meister um Nicola Porpora. Nicht umsonst sang Bartoli als erste Zugabe Händels „Lascia la spina, cogli la rosa”: die Arie der Freude.
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