Umwerfende Vitalität

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Mit einem Auftritt der BBC Philharmonic unter der Leitung ihres Chefdirigenten Gianandrea Noseda ging die Saison der Aachener Meisterkonzerte einigermaßen spektakulär zu Ende.

Werke von Anatoli Liadow, Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninoff bildeten ein Programm mit rein russischer Musik.

Dass mit Liadows kurzer Tondichtung Baba Yaga und Rachmaninoffs 1. Symphonie zwei ausgesprochene Raritäten erklangen, nahm man dabei dankbar zur Kenntnis, wenn auch im zweiten Konzertteil mancher Stuhl leer blieb. Für Furore hatte zuvor die 24-jährige norwegische Geigerin Vilde Frang mit Tschaikowskys Violinkonzert gesorgt, eine ungemein temperamentvolle junge Dame, deren zarter äußerer Erscheinung ein solch kraftvoller und durchsetzungsfähiger Ton, eine solch umwerfende Vitalität und Brillanz in der Gestaltung und eine solch breite dynamische und farbliche Klangskala gar nicht zuzutrauen war.

Angesichts dieser geradezu umwerfenden künstlerischen Präsenz, gepaart mit absoluter Souveränität alles Technischen, konnte man ihr auch den allzu freien Umgang mit den Tempi verzeihen. Eine Interpretation aus romantischem Geist, den das Konzert aber aushält, wenn es so überzeugend gespielt wird. Sie machte Dirigent und Orchester damit das Leben schwer, eine Prüfung, die diese bravourös bestanden. Als Zugabe spielte sie eine Paganini-Caprice, eine jener zirzensichen Hochseilnummern, die halt nur die technisch Perfektesten so souverän meistern.

Begonnen hatte der Abend mit Liadows programmatischer Miniatur Baba Yaga in einer brillanten Wiedergabe. Rachmaninoffs symphonischem Erstling wurde keine glückliche Karriere zuteil. Nach dem totalen Durchfall bei der Uraufführung fiel der Komponist in eine Depression. Die Symphonie wurde erst Jahrzehnte später wieder entdeckt und kam erst 48 Jahre später, zwei Jahre nach dem Tod des Komponisten, zur zweiten Aufführung. Völlig zu Unrecht, wie die beeindruckende Wiedergabe durch das glänzend disponierte, sich als homogene klangliche Einheit präsentierende Orchester aus Manchester und den mit größtem Engagement agierenden Dirigenten nachdrücklich unter Beweis stellte.

Mit Verdis Vorspiel zur Oper „La Traviata” und dem 1. Ungarischen Tanz von Brahms als Zugaben verabschiedeten sich Orchester und Dirigent von einem begeisterten Publikum.
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