Üppiges Programm bei „Einsteins Musicbox“

Von: Pedro Obiera
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„Einsteins Musicbox“ in der Aula der RWTH Aachen: GMD Kazem Abdullah und das Sinfonieorchester Aachen begeisterten. Foto: A. Schmitter

Aachen. Für Kazem Abdullah hieß es Abschied nehmen von „Einsteins Musicbox“, dem mittlerweile traditionellen Studentenkonzert in der auch diesmal prall gefüllten Aula der RWTH.

In seiner letzten Saison als Generalmusikdirektor des Aachener Sinfonieorchesters lässt Abdullah besonders intensiv Sounds seiner Heimat anklingen, so dass, von Mozart abgesehen, ausschließlich amerikanische Komponisten das wiederum üppige Programm prägten.

George Gershwin darf da nicht fehlen. Und dessen Ouvertüre zum Musical „Girl Crazy“ setzte trotz der einfachen Potpourri-Anlage Maßstäbe, die nicht jeder Beitrag erreichen konnte. Da hatte selbst Duke Ellington mit seiner Ballettmusik zu „Three Black Kings“ keinen leichten Stand. Ein verhalten-nachdenkliches Werk ohne Jazzstandards aus der Feder des bereits todkranken Musikers mit dem Posaunisten Saman Maroofi als glänzendem Solisten. An Dukes wahre Bedeutung als Jazzmusiker erinnerte Jeff Tyzik mit einem fulminanten Arrangement berühmter Ellington-Titel, bei dem Abdullah und seine Musiker zum Abschluss des offiziellen Programms mächtig aufdrehten.

Auf Tempo gebürstet

Mozarts „Haffner-Sinfonie“ wirkte in diesem Umfeld etwas verloren, auch wenn man der vorzüglichen Interpretation Abdullahs besondere Zuneigung zu dem Salzburger Meister anhören konnte. Mehr originell als substanziell geriet der Einstieg mit Andrew Normans auf Tempo gebürstete Studie für acht Violinen „Gran Turismo“, in der sich barocke Kontrapunktik, Visionen der italienischen Futuristen und Impressionen des gleichnamigen Computerspiels zu einem virtuosen Husarenritt vereinigen sollten. Da hat sich der Komponist eine Menge vorgenommen. Unabhängig vom Ergebnis verdienen der Einsatz und die spieltechnische Präzision des Geigenensembles uneingeschränkte Anerkennung.

Und der Turbo-Drive des Unikums gab den Moderatoren Christoph Lang und Manfred Nettekoven eine Steilvorlage zum Auftakt eines sich manchmal verselbstständigenden Interview-Marathons mit Mitarbeitern der Hochschule. Wenn es um Tempo geht, ist das Auto nicht weit. Und so wurde über E-Autos und Bitumen-Beläge gesprochen, der ehemalige Asta-Vorsitzende Raphael Kiesel wurde an die „verschwundene Klausuren“ erinnert, die Armin Laschet in Bedrängnis brachten, und die Senatorin Laura Witzenhausen sinnierte über eine stärkere kulturelle Anbindung der Hochschule an die Stadt.

Und natürlich kam auch Kazem Abdullah zu Wort, was angesichts der Redefreude von Kanzler Nettekoven nicht immer einfach war. Die Spielfreude Abdullahs und des Orchesters übertrug sich im Verlauf des langen Abends immer stärker auf das Publikum, so dass die Zustimmung letztlich in Standing Ovations gipfelte.

Am 30. März gastiert das Aachener Sinfonieorchester mit „Music Lab III“ erneut in der Aula der RWTH. Das Thema lautet „Farben und Formen“.

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