Tschaikowskis „Mazeppa” am Theater Aachen

Von: Jenny Schmetz
Letzte Aktualisierung:
mazeppa-bu
Großes Drama: Regisseurin Ewa Teilmans (li.) und Sopranistin Irina Popova bei der Probe zu Tschaikowskis Oper „Mazeppa”. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Den Printengeruch findet er widerlich, das Theater langweilig, die Stadt insgesamt schrecklich. Selbst die Leberwurst kann ihn nicht umstimmen: „Sechs Wochen in Aachen. Das war eine der schwersten Zeiten meines Lebens.”

Tschaikowskis Urteil klingt für den Öcher an sich ziemlich niederschmetternd. Tatsächlich, den damals schon bekannten russischen Komponisten hat es im Sommer 1887 in den Westzipfel verschlagen. In Briefen und Tagebucheinträgen schildert er ausführlich seinen Aufenthalt in der „trostlosen”, „unsympathischen” Stadt. Einzig ein paar Spaziergänge nach Burtscheid oder auf den Lousberg finden seinen Gefallen.

Nun wird ja Tschaikowski gerne eine depressive Stimmung nachgesagt, in Aachen ergriff ihn sogar eine „höllische Schwermut” - wohl nicht nur, weil er das Städtchen so reizlos fand. Nervenaufreibend war für den 47-Jährigen die Pflege eines todkranken Freundes, der zur Kur nach Aachen kam.

Ein paar nette Gemeinheiten bietet Wolfgang Glaab in seinem 2009 erschienenen Tschaikowski-Buch. Zurzeit liegt es auf der Probebühne des Aachener Theaters. Regisseurin Ewa Teilmans hat es auch gelesen, für ihre aktuelle Arbeit spielt der Text aber keine Rolle. Okay, das Theater Aachen spielt Tschaikowski. Aber nicht, weil der Komponist mal im Talkessel vorbeigeschaut hat. Das ist sozusagen regionales Hintergrundwissen.

Im Vordergrund wird derzeit „Mazeppa” geprobt. „Ma-wer?”, wird wohl selbst der regelmäßige Operngänger fragen. Denn anders als „Eugen Onegin” oder „Pique Dame” wird dieses Werk Tschaikowskis im Westen nur sehr selten gespielt. Zu wenige Melodien, die hängen bleiben? Eine zu hanebüchene Geschichte? Zu anspruchsvolle Partien? Zu negative Figuren? Alles zu pessimistisch? Die Einwände lässt Ewa Teilmans alle nicht gelten. Für sie ist die Oper, die in Aachen erstmals auf die Bühne kommt, „fast eine Neuentdeckung”.

„Umwerfende” Musik

Sogar bei der Probe prangt auf einer Stellwand groß in Kreideschrift „Die Story”, und darunter pinnen DIN-A4-Kopien, auf denen Handlung und historischer Hintergrund erläutert werden. Um es ganz kurz zu machen: Mazeppa ist kein Mädchenname, sondern der Nachname eines Mannes, den es wirklich gab: des ukrainischen Freiheitshelden Iwan Mazeppa, dessen Name Masjeppa (mit weichem s) ausgesprochen wird.

Die auf Puschkins Versepos „Poltawa” basierende Handlung verknüpft die Liebe zwischen dem 65-Jährigen und der 17-jährigen Maria mit dem ukrainischen Unabhängigkeitskampf gegen Zar Peter den Großen. Nach Lesart der Regisseurin muss sich die Tragödie aber nicht zu Beginn des 18.Jahrhunderts abspielen, da kann auch die Revolution von 2004 anklingen.

Überzeitlich sind laut Teilmans sowieso die „bewegenden Menschheitsthemen”: Liebe und Machtmissbrauch. Auch Verrat, Folter, Mord, Wahnsinn - alles ist in „Mazeppa” drin. Dazu darf Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch eine „umwerfende” Musik dirigieren: vom symphonischen Schlachtenbild über den gewaltigen Chor bis zum süßen Wiegenlied. Als „ganz großen Wurf” preist Teilmans überdies die Bühne von Oliver Brendel. Abstrakt soll sie sein, ebenso wenig folkloristisch wie die Kostüme. Krummsäbel und Pelzmützen sind also nicht zu befürchten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert