Toni Gojanovic brilliert in „Nipple Jesus“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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In „Nipple Jesus“ von Nick Hornby spielt er sehenswert einen Kunstbewacher: Toni Gojanovic. Foto: Achim Bieler

Aachen. Toni Gojanovic ist eine echte Bereicherung für das Ensemble des Aachener Das Da Theaters. Das bewies er bei der umjubelten Premiere von „Nipple Jesus“ von Nick Hornby am Donnerstagabend im Ludwig-Forum.

Weit aufgerissene Augen, Schauspiel so ausdrucksstark wie in einem Comic – Gojanovic musste nicht nur allein die Bühne füllen, er eroberte sie mit beeindruckender Präsenz und Anziehungskraft.

Gojanovic ist Dave, ein ehemaliger Türsteher, der zum Kunstbewachen gewechselt hat. Ihm sind körperliche Auseinandersetzungen nicht fremd und ist doch erschreckt über die neue Unberechenbarkeit im Türsteher-Gewerbe. Er wäre gern Tiger Woods oder Bill Gates, kennt seine realistischen Möglichkeiten aber ganz genau. Er ist sicher kein Intellektueller und steckt doch so manchen von diesen mit Lebenserfahrung in die Tasche. Dave wird zum Bewacher des umstrittenen Werkes „Nipple Jesus“ – einer Collage aus Brustwarzen, ausgeschnitten aus Pornoheften, die Jesus am Kreuz darstellt.

Neben einer Zwiebel auf einem Podest erzählt Dave alias Gojanovic 75 Minuten lang, wie er das Bild erst verabscheut, es dennoch zu seinem Bild wird, bevor es nach zwei Tagen von einem wütenden Mob schließlich zerstört wird. Er begegnet empörten Politikern, scheinheiligen Journalisten, den Untergang des Abendlandes heraufbeschwörenden Priestern und Spinnern. Doch erst die Künstlerin selbst bringt Dave wirklich aus der Fassung – quasi im doppelten Sinne. Doch mehr soll hier nicht verraten werden.

„Nipple Jesus“ ist in der Regie von Achim Bieler keine bitterböse Abrechnung mit Kunstbetrieb und Gesellschaft. Es ist vielmehr ein amüsantes Vorhalten des Spiegels. Jeder kann hier nicht nur über andere, sondern auch über sich selbst lachen. Ein Kompliment an die Leitung des Ludwig Forums, dass sie diesem Spaß einen äußerst realistischen Rahmen gegeben hat.

Weitere Aufführungen bis zum 14. Dezember, Do./Fr./Sa. um 20 Uhr, So. um 18 Uhr im Ludwig Forum Aachen.

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