Aachen - Tolkien-Seminar: Aachen liegt in Mittelerde

Tolkien-Seminar: Aachen liegt in Mittelerde

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
5409710.jpg
Blicken auf die vielen Facetten der Tolkien-Adaptionen: (von links) Tobias Hock, Nicole Hützen, Peter Wenzel und Timo Lothmann zählen zu den Protagonisten des zehnten internationalen Tolkien-Seminars, das Freitag erstmals in Aachen eröffnet wird. Foto: Heike Lachmann

Aachen. An diesem Wochenende liegt Aachen in Mittelerde. An der Kármánstraße öffnet sich die Tür in die fantastische Welt der kleinen Hobbits und bärtigen Zwerge, der großen Zauberer und gruseligen Orks. Zum zehnten Mal organisiert die Deutsche Tolkien Gesellschaft (DTG) ihr internationales Tolkien-Seminar. In diesem Jahr findet es erstmals in Aachen statt.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Anglistik, Amerikanistik und Romanistik der RWTH sowie dem Verlag Walking Tree Publishers werden bis Sonntag 18 Vorträge vor allem zu Adaptionen von Tolkiens „Herr der Ringe“-Roman gehalten, die sich sowohl an Sprach- und Literaturwissenschaftler wie auch an Tolkien-Fans richten.

Für den Aachener Lehrer Julian Eilmann aus dem Vorstand der DTG liegt genau in dieser Mischung der besondere Geist der Veranstaltung um Tolkiens fantastische Welten.

Der kleine Hobbit hat das große Interesse an Tolkiens Romanen weiter geschürt. Entflammt war es mit Peter Jacksons Verfilmung des „Herrn der Ringe“, nun hat der erste von drei Teilen des anderen berühmten Tolkien-Werkes Millionen in die Kinos gelockt.

Genau dieses Thema, die Adaptionen der Literatur des britischen Schriftstellers und Sprachwissenschaftlers John Ronald Reuel Tolkien, steht im Fokus des Seminars. Nie war das Interesse – auch – der Wissenschaft größer. „Vor 20, 30 Jahren war es sehr ungewöhnlich, in der anglistischen Literaturwissenschaft Tolkien zur Kenntnis zu nehmen.

Das hat sich radikal geändert“, sagt Professor Peter Wenzel. Der 60-Jährige ist als Leiter des Instituts für Anglistik, Amerikanistik und Romanistik quasi Gastgeber an den drei Tagen und wird Freitag um 15 Uhr im Institut, Kármán-straße 17/19, das Seminar eröffnen. „Wissenschaftliche Experten kommen mit gut informierten Laien zusammen. Literarische Gesellschaften leben davon“, sagt er. Das unterscheidet das Seminar etwa von der Rincon, dem großen Fantreffen, bei dem sich die Besucher bereitwillig verkleiden und die Elbenohren spitzen.

Tolkien-Fans sind treue Seelen. Jedenfalls die mit einem wissenschaftlichen Interesse an seiner Mittelerde. Mit 100 Fachleuten aus ganz Deutschland und dem Ausland wird in Aachen gerechnet werden können. Das Thema zählt zu den viel diskutierten unter Sprach- und Literaturwissenschaftlern. „Die Verfilmungen haben einen großen Beitrag dazu geleistet, sich akademisch mit Tolkien auseinander zu setzen“, erklärt Tobias Hock.

Hock nennt sich einen Tolkien-Fan. Doch er ist mehr als das. Er hat Anglistik studiert und seine Staatsarbeit über Gewalt im „Herrn der Ringe“ geschrieben. Nun hilft er dem Institut bei der Organisation des Seminars und wird mit Frank Weinreich vortragen – zum Thema Gewalt in Buch wie Film.

Dafür hat er gewaltige Vorarbeit geleistet und die Schlachtenszenen quantitativ, also prozentual erfasst. „Der Unterschied zwischen Film und Buch ist nicht so groß, wie die Kritik vermuten lässt“, erklärt er. Mehr dazu gibt es Freitag um 18 Uhr.

Er mag 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein, als er das erste Mal den literarischen Weg nach Mittelerde genommen hat. Zwerge, Elben, Orks und Hobbits lassen ihn nicht mehr los. Ähnlich geht es allen, die das Tolkien-Seminar nach Aachen geholt haben und mit fantastischem wie wissenschaftlichem Leben füllen.

„Es ist schön, wenn Hobby und Beruf so verknüpft werden“, sagt Nicole Hützen, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Anglisten. Aber es ist weit mehr als ein Spiel, auch wenn Hützen sich Tolkien mit Timo Lothmann bewusst spielerisch nähert. Sie werden Herr-der-Ringe- und Hobbit-Brettspiele (sprachwissenschaftlich) auseinandernehmen, auch die Qualität von Kartenspielen aufdecken. Samstag um 9.45 Uhr sind sie am Zug.

„Ob Tolkien mit diesen Spieladaptionen einverstanden gewesen wäre, ist doch sehr zu bezweifeln“, sagt Lothmann. Und so öffnen sich für die Wissenschaftler rund um Mittelerde immer neue Welten, die untersucht werden wollen: Filme, Spiele, Musik und Merchandising.

„Das methodische Interesse an Intermedialität, also der Übergang von einem in das andere Medium, ist in der Literaturwissenschaft ein aktuelles Thema“, betont auch Professor Wenzel, spricht von der Spannung des Stoffes, auch wenn es eine andere ist als in Jacksons Verfilmungen. Die Faszination Mittelerdes und der Tolkien-Romane kennt eben viele Seiten – in Aachen wird ab Freitag das nächste Kapitel aufgeschlagen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert